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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 16. März 2010

Wie Antiraucher-Kampagnen bei Jugendlichen wirken

HELP, die EU-Antiraucher-Kampagne, startete vor fünf Jahren – eine erste Bilanz

Nach wie vor und immer wieder: Tabakbedingte Erkrankungen sind in Europa die führende Todesursache. Jeder 7. Mensch stirbt an den Folgen des Rauchens. Noch deprimierender: Diese Zahl schließt 19.000 Todesfälle durch passives Rauchen ein, betroffen sind also Menschen, die noch nie geraucht haben.

Am 1. März 2005 startete die Europäische Kommission daher die Medienkampagne „HELP – für ein rauchfreies Leben“.

Normalität des Rauchens

Ziel der Kampagne war es, Hilfe und Unterstützung anzubieten, wenn es darum geht, nicht mit dem Rauchen anzufangen, dem Gruppendruck standzuhalten oder das passive Rauchen zu thematisieren. Junge Menschen (zwischen 15-34 Jahren) waren die Hauptzielgruppe der HELP-Kampagne, da deren Einstellung wesentlich dazu beiträgt, die „Normalität des Rauchens“ als Trend in Europa abzuschaffen, so die Einschätzung der Organisatoren. Die HELP-Kampagne umfasste die Ausstrahlung von Fernsehwerbungen auf nationalen und europaweiten Fernsehkanälen, Werbungen auf den bei jungen Menschen besonders beliebten Websites, die Publikation von Artikeln in den nationalen Medien sowie eine Reihe von Events mit großem Medieninteresse.

Nun, fünf Jahre später, zieht die EU-Kommission eine erste Bilanz dieser „weltweit größten bewusstseinsbildenden Maßnahme im Sinne der öffentlichen Gesundheit“, wie es auf der offiziellen Website heißt.

  • 32 Prozent der Europäer (59 Prozent der jungen Menschen) haben die Kampagne gesehen.
  • 75 Prozent aller Europäer und 82 Prozent der Zielgruppe der Jugendlichen unter 25 gefällt die HELP-Kampagne.
  • Auf der Website www.help-eu.com wurden sieben Millionen Internet-Benutzer verzeichnet.
  • Europaweit wurden mehr als 1.100 nationale Veranstaltungen durchgeführt, bei denen die Besucher ihre eigenen – mehr oder weniger ernst gemeinten – Tipps zum Aufhören aufnehmen und ins Netz stellen konnten.
  • 340.000 Europäer ließen bei diesen Events ihren tabakbedingten Kohlenmonoxidspiegel feststellen.
  • Es wurden mehr als 6.800 Artikel und Berichte in den Medien veröffentlicht.
  • 50.000 Menschen meldeten sich zu einer Coaching-Session via email an; sie erhielten während einer 2-monatigen Dauer regelmäßige Emails, um sie während der Aufhör-Phase zu unterstützen.

Schockwirkung im Test

Auch Medizinstudenten von Vereinigungen wie EMSA (European Medical Students’ Association) oder IFMSA (International Federation of Medical Students’ Association) beteiligten sich an den HELP-Veranstaltungen: So wurde Anfang April 2009 in Prag ein „Train-the-Trainer“-Treffen durchgeführt. Tabakexperten unterrichteten die Vertreter dieser Organisationen in der Durchführung von Kohlenmonoxidtests und der Aufklärung über die Vorteile des Nichtrauchens, welche dann ihrerseits in einem zweiten Schritt die Mitglieder ihrer Organisationen ausbildeten. Dazu Prof. Luke Clancy, Generaldirektor des Tobacco-Free Research Institute in Irland und Präsident des European Network for Smoking Prevention (ENSP): „Der Kohlenmonoxidtest wirkt in vielerlei Hinsicht wie ein Schock, den die Jugendlichen benötigen, um das Rauchen aufzugeben.“

In Österreich sind 2010 Veranstaltungen der Kampagne unter anderem bei der Surf World Cup Championship in Podersdorf, beim DM-Frauenlauf in Wien, beim Urban Art Forms Festival Wiesen, beim Donauinselfest und beim Wachau-Lauf in Krems dabei.

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