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Foto: S.Hainz / PIXELIO
 
Gesundheitspolitik 16. März 2010

Frühlingserwachen bei ELGA?

Eine Einigung zur Umsetzung der E-Medikation scheint nun doch gelungen zu sein.

Patientenautonomie setzt Information voraus. Bereits beim Startschuss der ELGA-Bemühungen war die transparente Kommunikation in der breiten Öffentlichkeit einer der kritischen Erfolgsfaktoren. Beim Thema E-Medikation ist es schon weitaus eleganter gelungen, unterschiedliche Interessen gemeinsam am grünen Tisch zu lösen. Das vorliegende Ergebnis: Erste Pilotregionen starten im Herbst mit der elektronischen Medikamentenüberwachung.

 

„Es ist gelungen, die Diskussionen zwischen den Standesvertretungen zu beenden und gemeinsam einen wichtigen Schritt bei der Umsetzung der ELGA-Ziele zu gehen“, freut sich Dr. Susanne Herbek, Geschäftsführerin der ELGA GmbH, über die jüngsten Verhandlungsergebnisse. Während vor wenigen Tagen noch heftig über die konkrete Rollen- und Kompetenzverteilung diskutiert wurde, haben nun Vertreter der Ärztekammer, der Apothekerkammer und der Sozialversicherung ein gemeinsames Positionspapier unterzeichnet. Ziel ist es, bis Jahresende möglichst viel Know-how aus unterschiedlichen Pilotregionen zu gewinnen, um danach in einen österreichweiten Roll-out zu gehen.

Alle vom Arzt oder der Apotheke ausgegebenen Medikamente werden – vorerst in drei Pilotregionen in Wien, Tirol und Oberösterreich – elektronisch erfasst und auf der e-card gespeichert. Die Teilnahme ist freiwillig, Patienten müssen der elektronischen Datenverarbeitung zustimmen. „Die Einigung besteht konkret in dem Wunsch, die Patientensicherheit zu erhöhen und eine Effektivitäts- und Effizienzsteigerung beim Rezeptierungsprozess unter Einhaltung des Datenschutzes zu gewährleisten“, fasste Ing. Rainer Schmidradler von der Sozialversicherungs-Chipkarten Betriebs- und Errichtungsgesellschaft m.b.H. (SVC) anlässlich einer E-Health-Tagung in Wien zusammen. „Geprüft werden Mehrfachverordnungen und schwere bzw. mittlere Wechselwirkungen.“ In diesem ersten Schritt ist die Teilnahme am System auf e-card-Besitzer beschränkt. Eingebunden werden Ärzte, Apotheken und Krankenanstalten, die an das e-card-System angeschlossen sind. Sowohl beim Arzt als auch beim Apotheker wird es für den Versicherten möglich sein, die eigene Medikationsliste ausdrucken. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen Patienten selbst über ein Webportal direkten Zugriff auf ihre Verordnungen erhalten.

OTC-Präparate auch für Ärzte sichtbar

Zuletzt hat die österreichische Apothekerkammer den Wünschen nachgegeben, dass die Ärzte auch Einsicht in die Liste der abgegebenen OTC-Präparate haben sollen. „Wir wollen keinesfalls als Verhinderer dastehen, schließlich haben wir den Arzneimittelsicherheitsgurt mitentwickelt“, betonte Heinrich Burggasser von der Österreichischen Apothekerkammer anlässlich der kürzlich stattgefundenen Apothekertagung in Saalfelden und gab sich gespannt, „was die Ärzte mit dem Daten-Overflow machen werden“. Abgefragt können nicht nur aktuelle, sondern auch bis zu sechs Monate alte Verordnungen werden. In der Medikationsliste werden alle rezeptpflichtigen Medikamente gespeichert, dazu auch rezeptfreie mit möglichen, relevanten Wechselwirkungen – das betrifft rund 340 der etwa 4.000 am Markt befindlichen OTC-Präparate.

Bestandteile der Pilotevaluierung sind auch Reichweitenberechnung und Complianceprüfungen sowie die Protokollierung aller Transaktionsdaten. Schnittstellen für gängige Softwarehersteller sollen eingerichtet werden und gängige Apotheken-EDV-Lösungen werden um die notwendige e-card-Funktionalität erweitert.

Datenschutz groß geschrieben

Um den Befürchtungen des „gläsernen Patienten“ den Wind aus den Segeln zu nehmen, betonte vor allem das Gesundheitsministerium anlässlich der Verhandlungsergebnisse, dass die E-Medikation unter strenger Einhaltung des Datenschutzes realisiert wird. Wo genau die Daten abgelegt werden und wie diese Zusicherung in der Praxis umgesetzt wird, ist jedoch noch offen. Das wird sie vorerst auch bleiben, denn erst mit der Regelung für die elektronische Gesundheitsakte wird es hier zu einer definitiven Klarheit kommen. Und die ist nicht vor Jahressende zu erwarten.

Anpassungen werden notwendig sein

„Die E-Medikation ersetzt keineswegs das ärztliche Fachwissen und kann nur eine zusätzliche Hilfestellung sein“, betont Schmidradler. In einer ersten Ausbaustufe sprengt die Einbeziehung weiterer relevanter Informationen, wie etwa hinsichtlich Diagnosen oder Allergien, sichtlich den Rahmen der Testphase. „Das Projekt ist als Feldversuch zu sehen, die Ergebnisse müssen dann evaluiert werden, um weitere Schritte setzen zu können. In einem ersten Wurf wird sicher nicht alles perfekt sein. Anpassungen werden nötig werden und die Usability beim Arzt wird genau zu prüfen sein. Je detaillierter die Themen, desto notwendiger sind hier beispielsweise Einigungen über einheitliche Diagnosecodierungen, sonst fehlt die österreichweite Gültigkeit einer Abfrage“, ergänzt der Experte. Geplant ist die Erstellung eines Pflichtenheftes für die Verhandlungen mit den Softwareherstellern bis Mai dieses Jahres. Danach erfolgt die Installation bei den jeweils teilnehmenden Gesundheitsdienstleistern und mit Jahresende soll der Probebetrieb möglich sein. Nach etwa sechs Monaten sind erste Ergebnisse zu erwarten, im Jahr 2012 soll das Projekt flächendeckend in Österreich starten.

Von Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 11 /2010

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