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Foto: Privat
Prim. Prof. Dr. Klaus Schmitt Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), Sprecher der Kinder- und Jugendfachärzte in Österreich.
 
Gesundheitspolitik 16. März 2010

Nicht verbieten, sondern reglementieren und informieren.

Warum Österreichs Jugend bezüglich ihrer Rauchgewohnheiten im internationalen Vergleich so schlecht dasteht, ist ohne Untersuchungen nicht erklärbar. Es handelt sich um ein Bündel komplexer Fakten aus zu lascher Gesetzgebung, einem zu einfachen Zugang zu Rauchwaren, mangelnder Vorbildwirkung im familiären wie auch im medialen Bereich – wenn etwa das gültige Werbeverbot durch die allgegenwärtige Präsenz „cooler“ Raucher in Filmen torpediert wird – und aus einem ungünstigen Ernährungs- und Freizeitverhalten. Es ist erwiesen, dass Kinder, die sich mehr bewegen und Sport betreiben, seltener zur Zigarette greifen. Ich bin nicht dafür, das Rauchen zu kriminalisieren oder grundsätzlich zu verbieten. Aber Jugendliche brauchen klare Richtlinien. Dazu bedarf es eines vernünftigen, konsequenten Tabakgesetzes, das auch entsprechend überprüft wird. Ziel muss es sein, öffentliche Plätze, besonders wo Jugendliche verstärkt verkehren, also Schulen, Bahnhöfe etc., aber auch etwa Krankenhäuser, absolut rauchfrei zu halten. In anderen Ländern ist es bereits gelungen, ein Rauchverbot in Lokalen einzuführen. Da muss auch Österreich nachziehen. Das Endziel muss ein EU-weites Rauchverbot in der Gastronomie sein. Am wichtigsten ist aber Prävention, die möglichst früh ansetzen muss. Prävention, die nicht mit erhobenem Zeigefinger oder Schock-Bildern arbeitet, sondern sich zum Beispiel im Rahmen des Biologieunterrichts mit sachlicher Information und Aufklärung über Gesundheitsrisiken und mögliche Folgeschäden des Rauchens befasst; etwa mit den für die Jugendlichen aktuellen Themen Potenz, Pille oder spätere Schwangerschaften. Dabei könnte dort begonnen werden, wo das Suchtpotenzial derzeit am größten ist: in den Berufsschulen.

  • Herr Richard Hagenauer, 16.03.2014 um 21:19:

    „Herr Dr. Schmitt,
    Sie wollen Untersuchungen anstellen lassen, obwohl die Ursachen längst auf dem Tisch liegen. So lange sich die Tabaknikotinindustrie erkaufen darf, hochgiftige Waren zu produzieren und in den Handel zu bringen, die bei bestimmungsgemäßem Gebrauch Krankheit, Sucht, menschliches Leid und vorzeitigen Tod verursachen, wird sich auch auf sehr lange Sicht nicht viel ändern! 4 800 verschiedene,
    teils hochgiftig Fremdstoffe im Tabak verursachen im Hirn Veränderungen die dazu führen, dass der Raucher sich nicht mehr Selbstbestimmen kann. Frau Dr. Marianne Koch hat dies bei Maischberger eindrücklich beschrieben!
    Auf Grund dieser Wirkung versucht die Nikotinindustrie ganz bewusst, schon Kinder an das Rauchen heran zu führen. Das beweist die US Federal Trade Commission, mit der Veröffentlichung der "Strategien zur Verführung Minderjähriger zum Rauchen!"
    Dazu kommen Kaugummizigaretten und Pustezigaretten, seit Neuem auch E-Zigaretten für Kinder! Kinder sind diesen Profis hilflos ausgeliefert! Das schlimmste daran, dass m.E. die verantwortlichen Politiker händereibend diesem menschenverachtendem und menschenvernichtendem Inferno beistehen, weil sehr viel Geld fließt!
    Krankheit, Invalidität, Sucht und Tod ist nicht verhandelbar. Deshalb ist die Salamitaktik der völlig falsche Weg. Kein einziger Mensch mehr darf mit Tabakrauch krank gemacht und getötet werden. Nirgendwo und zu keiner Zeit darf geraucht werden, ohne jegliche Ausnahmen. Deshalb muss Tabak gänzlich weg. Er muss geächtet werden, wie alle andere Drogen auch.“

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