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Gesundheitspolitik 16. März 2010

Standpunkte: Mut und Aufklärung sind gefordert

Das Web 2.0 macht jetzt auf Facebook gegen das Rauchen mobil. Stimmen werden gesammelt, um ein Volksbegehren zu initiieren. Auch Stögers Geduld mit den Wirten ist am Ende – Fristverlängerung gibt es keine.

Um die Gesundheit des heimischen Nachwuchses ist es offensichtlich schlecht bestellt: In einem Ranking der OECD zur Kinder- und Jugendgesundheit kommt Österreich unter 30 Staaten nur auf Platz 27, beim Uno-Kinderhilfswerk Unicef ist es Rang 14 unter 21 Staaten. Ein wesentlicher Grund dafür ist der signifikant hohe Anteil jugendlicher Raucher und das vergleichsweise niedrige Einstiegsalter beim Nikotinkonsum.

Standpunkte_Rauchen

Die Standpunkte (von links nach rechts)

Robert Rockenbauer Sprecher der Österreichischen Schutzgemeinschaft für Nichtraucher, Leiter des Beratungszentrums für Nichtraucher und Raucher in Innsbruck

Haben Raucher die "Lizenz zum Töten"?

Alois Stöger, Gesundheitsminister
Evaluierung wird zeigen, ob Gesetz ausreicht.

Prof. Dr. Klaus Schmitt Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), Sprecher der Kinder- und Jugendfachärzte in Österreich.
Nicht verbieten, sondern reglementieren und informieren.

Mittlerweile greifen bei den unter 15-Jährigen bereits 26 Prozent der Mädchen und 24 Prozent der Burschen regelmäßig zur Zigarette. Das ist trauriger Spitzenwert in Europa, fügt sich aber „harmonisch“ in ein katastrophales Gesamtbild: Mit über 36 Prozent der Bevölkerung hat Österreich weltweit einen der höchsten Anteile an Rauchern. Experten und Kritiker sehen in den Fakten eine Bestätigung ihrer jahrelangen Forderungen nach Reformen und Nachbesserungen des Tabakgesetzes. Für sie hat der Gesundheitsminister akuten Handlungsbedarf. Ihm wird zwar Kompetenz und Änderungswille zugestanden, nicht aber die dafür notwendige Durchsetzungskraft. Als ein Indiz dafür werden die zögerlichen Äußerungen zum geltenden Rauchverbot in der Gastronomie gesehen, das vielerorts als schwammige, eben typisch „österreichische“ Lösung kritisiert wird.

 „Wer, wenn nicht der oberste Wächter über die Volksgesundheit, hat angesichts unzähliger Studien über die verheerenden Folgen von Nikotin für ein Rauchverbot in allen Lokalen zu kämpfen?“ fragen Medien, Mediziner und Interessensvertreter unisono. Umso mehr, als auch aus volkswirtschaftlicher Sicht alles für ein strikteres Rauchverbot spricht. Laut Prof. Manfred Neuberger, Leiter der Abteilung Präventivmedizin an der Uni Wien, verursachen die Folgeschäden des Rauchens pro Jahr 511 Millionen Euro an Kosten. Ein Rauchverbot in der Gastronomie wäre somit also nicht nur die gesündeste, sondern auch die billigste Lösung für Betroffene und Gesellschaft.

Von Mag. Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 11 /2010

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