zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 1. Februar 2010

Hat die Freigabe der Verschreibbarkeit von Statinen für Diabetiker mit hohem kardiovaskulärem Risiko das ärztliche Verordnungsverhalten in Österreich beeinflusst?

HINTERGRUND: Lipidsenker der Kategorie 3-hydroxy-3-methyl-Co-Enzym A Reduktase-Hemmer (Statine) bilden eine der Hauptsäulen der kardiovaskulären Sekundärprävention bei Personen mit Diabetes. Diese Medikamente sind effektiv und kosteneffektiv, können aber eine erhebliche Erhöhung der Medikamentenausgaben im niedergelassenen Bereich mit sich bringen. Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger steuert das Verschreibeverhalten ärztlicher Vertragspartner durch die Herausgabe des Erstattungskodex (vormals: Heilmittelverzeichnis) mit der Festlegung von Voraussetzungen für die Verschreibbarkeit von Medikamenten. Diese Voraussetzungen ermöglichen den Zugang zu evidenzbasierter Therapie unter Berücksichtigung ökonomischer Aspekte.

METHODEN: Das vorliegende Projekt evaluierte zwei Änderungen der Voraussetzungen für die freie Verschreibbarkeit von Statinen bei Patienten mit Diabetes im Zeitraum 4/2004 – 12/2005. Wir verwendeten Verrechnungsdaten von mehreren Versicherungsträgern um die Verschreiberate von Statinen bei Diabetikern zu evaluieren. Pseudoexperimentelle Zeit-Trend Analysen verglichen erwartete Verschreibungsmuster mit tatsächlich beobachteten.

ERGEBNISSE: Während der Beobachtugsperiode stieg die monatliche Verschreibungsquote von Statinen von 20,6% auf 24,9%. Mit Oktober 2004 wurde die Verschreibung von Statinen für PatientInnen mit Diabetes mellitus mit hohem kardiovaskulärem Risiko freigegeben; diese Änderung der Verschreibbarkeit von Statinen führte zu keinen wesentlichen Änderungen im Verschreibeverhalten. Im Juli 2005 wurde eine verpflichtende Dokumentation über die Begründung einer Verschreibung von Atorvastatin 10 mg mit nachfolgender stichprobenartiger Überprüfung festgelegt. Die Verwendung von Atorvastatin nahm daraufhin messbar zugunsten anderer bevorzugter Statine ab.

SCHLUSSFOLGERUNG: Systematische Evaluationen von Änderungen in der Verschreibbarkeit von erstatteten Medikamenten können wertvolle Informationen für die Anwendung zukünftiger Steuerinstrumente geben.

Wolfgang C. Winkelmayer, Markus Asslaber, Anna Bucsics, Thomas Burkhardt, Alexandra Schautzer, Peter Wieninger, Michaela Pogantsch, M. Alan Brookhart, Wiener klinische Wochenschrift 3/4/2010

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben