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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 2. März 2010

News aus Brüssel

EU-Bürger schauen auf ihre Zähne – zumindest im Durchschnitt

Wie schon von der WHO festgestellt, stimmen manche Risikofaktoren für Erkrankungen des Mundraums mit denen anderer chronischer Erkrankungen (kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs, Diabetes) überein, vor allem falsche Ernährung, Rauchen und Alkoholabusus. Ein weiterer Risikofaktor ist natürlich die schlechte Mundhygiene. Obwohl der Mund- und Rachenbereich nur eine kleine Oberfläche aufweist, sind die ökonomischen Kosten signifikant: In vielen einkommensstarken Ländern werden fünf bis zehn Prozent der öffentlichen Gesundheitsausgaben für die Gesundheit des Mund- und Rachenraumes ausgegeben. Es macht also auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn, die vielzitierte ‚Awareness’ der Menschen auf diesen gesundheitlichen Bereich zu lenken. Ende Februar veröffentlichte die EU-Gesundheitskommission nun die Ergebnisse der ersten Eurobarometer- Untersuchung über den (selbst eingeschätzten) oralen Gesundheitszustand der europäischen Bürger.

Die Untersuchung wurde im Oktober 2009 in den 27 Mitgliedstaaten und den drei Kandidatenländern Kroatien, Mazedonien und Türkei durchgeführt.

Einige Schlüsselergebnisse

Die große Mehrheit gibt an, dass ihnen ihre Zähne keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Jedoch zeigen die Zahlen auch Folgendes:

  • Nur 41 Prozent der Europäer besitzen noch alle natürlichen Zähne
  • Etwa 15 Prozent hatten wegen Problemen im Mund- oder Zahnbereich Schwierigkeiten beim Kauen, Beißen oder Essen (in den vergangenen zwölf Monaten).
  • 16 Prozent haben Erfahrungen mit Zahnschmerzen, schmerzhaftem Zahnfleisch oder kleinen, schmerzenden Stellen im Mundbereich gemacht
  • Sieben Prozent sind wegen des Aussehens ihrer Zähne oder ihres Zahnersatzes verlegen.

 

Was die aus zahnärztlicher Sicht besonders interessanten Ernährungsgewohnheiten der Europäer angeht, so gaben etwa 20 Prozent an, häufig Softdrinks, Kekse, Kuchen oder ähnlich ungesunde Sachen zu konsumieren. Gleichzeitig sagte nur eine Minderheit, dass sie regelmäßig Süßigkeiten zu sich nehme.

Dieser Report soll als Ausgangspunkt dienen, um den derzeitigen oralen Gesundheitszustand in naher Zukunft vergleichen zu können. Eine Wiederholung der Untersuchung soll dann alle Veränderungen im Zeitablauf ans Licht bringen.

Zahnärztliche Untersuchungen und Behandlungen

Ergebnisse der ersten Eurobarometer-Untersuchung über den selbst eingeschätzten oralen Gesundheitszustand

  • 57 Prozent der befragten Bürger gaben an, innerhalb des letzten Jahres ihren Zahnarzt wegen ihrer Zähne, ihres Zahnfleisches oder ihres Zahnersatzes konsultiert zu haben. Nur zwei Prozent berichteten, niemals zu einem Zahnarzt zu gehen.
  • 88 Prozent der Europäer denken, dass es im Falle eines Notfalls möglich sein würde, einen Termin bei einem Zahnarzt zu erhalten, der weniger als 30 Minuten von zu Hause oder vom Arbeitsplatz entfernt ist.
  • Die Hälfte der Befragten sagte, dass der Grund für den letzten Zahnarztbesuch entweder ein Check-up, eine Untersuchung oder eine Hygienebehandlung war. Ein Drittel suchte den Zahnarzt für eine Routinebehandlung auf, und fast einer von fünf gab als Grund einen Notfall an.
  • Von denjenigen, die angaben, in den letzten zwei Jahren kein einziges Mal einen Zahnarzt aufgesucht zu haben, wurden drei Ursachen am häufigsten genannt, nämlich:
  • Das zahnärztliche Problem war nicht schwerwiegend genug (33 Prozent).
  • sie hatten ohnehin keine (echten) Zähne mehr, nur Zahnersatz (16 Prozent).
  • die Kosten für Check-up und Behandlung waren zu hoch (15 Prozent).
  • Zehn Prozent der Studienteilnehmer gaben Angst oder Abneigung vor dem Zahnarzt beziehungsweise der Zahnhygienikerin als Grund an.

 

http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_330_en.pdf

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