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Foto: Archiv
Diplomé Alois Stöger Österreichischer Bundesminister für Gesundheit
 
Gesundheitspolitik 4. Dezember 2008

Was der Fortschritt kostet

Experten sind sich einig: Die Gesundheits-Versorgung wird künftig eher teurer als billiger. Deshalb müsse man Kostendämpfungen auch im Arzneimittelbereich prüfen.

„Arzneimittel im Spannungsfeld zwischen Kostenbewusstsein und Versorgungsqualität“ – unter diesem Titel diskutierten kürzlich der Pharmakonzern Bayer und die Industriellenvereinigung über Entwicklungen im Gesundheitswesen. Das Fazit: Fortschritt gibt es nicht zum Nulltarif.

 

„Die grundlegende Frage lautet: Wie ist die Gesellschaft bereit, Gesundheitsleistungen zu finanzieren“, formulierte Alois Stöger, zur Zeit der Veranstaltung noch Obmann der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse OÖGKK, heute Österreichs frisch angelobter Gesundheitsminister. Ein „Ja“ zum Fortschritt erfordere einen engen Dialog zwischen allen Akteuren des Gesundheitswesens, um eine hohe Versorgungsqualität zu vernünftigen Kosten sicherstellen zu können.

Die weiteren grundlegenden Fragen der Diskussion: Welche Rolle spielen Arzneimittel in der Gesundheitsversorgung? Wie haben sich medikamentöse Therapien, z. B. in der Onkologie, in den vergangenen Jahren weiterentwickelt? Welche Auswirkungen sind damit verbunden, insbesondere was die Versorgungsqualität, aber auch die Kostensituation betrifft? Gibt es auch Auswirkungen struktureller Art, etwa Verschiebungen der Leistungen zwischen dem Spitals- und dem niedergelassenen Bereich?

Besser überleben mit Medikamenten

Dr. Christian Dittrich, Abteilungsvorstand des Bereiches Onkologie und Hämatologie im Wiener Kaiser- Franz-Josef-Spital zeigte sich überzeugt, dass „die in der Onkologie in den vergangenen Jahren gestiegenen Überlebensraten mit der Verfügbarkeit neuer Medikamente einhergehen.“ Genau das führe aber auch zu höheren Kosten im Gesundheitswesen. Denn, so Dittrich, „wo Medikamente zur Heilung des Patienten führen, sparen wir uns Kosten. Wenn aber die Krankheit chronisch wird und wir dadurch das Leben verlängern können, dann wird es teuer.“ Und die Medizin versuche, wenn man schon nicht heilen könne, so doch eben zumindest eine tödliche Krankheit zu einer chronischen zu machen. Alois Stöger bremste die Euphorie des Mediziners: „Unser Auftrag ist es, mit dem Beitragsgeld die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu organisieren. Wir wollen die wirksamste zur Verfügung stehende Medizin und sind auch bereit, dafür einen fairen Preis zu zahlen.“

Belastungen durch Fortschritt

Im Medikamentenbereich hätte man aber das Problem, so Stöger, dass das meiste „Neue“ auf dem Markt nur teurer, aber nicht unbedingt wirksamer sei als das bisher Bekannte. Stöger: „Wir wollen echte Innovationen.“ Auch der Tiroler Gesundheits- und Wissenschaftslandesrat DI Dr. Bernhard Tilg und Dr. Günther Wawrowsky, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, warnten vor den finanziellen Belastungen des Systems durch den medizinischen Fortschritt.

Zusammenarbeit

Hier müsse man Kooperationen zwischen allen Akteuren, aber auch zwischen dem niedergelassenen und stationären Bereich finden, um die Zuwachsraten bei den Kosten und Mengen einzudämmen und gleichzeitig den Menschen die beste Versorgung anbieten zu können. Wie könnten nun diese Kooperationen aussehen? Diese Frage blieb allerdings offen, wie auch die, wann und ob die seit langem diskutierte Finanzierung aus einer Hand kommt.

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Diplomé Alois Stöger Österreichischer Bundesminister für Gesundheit

Von Martin Rümmele, Ärzte Woche

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