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Foto: Privat
Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher Journalist, Trainer & Berater
 
Gesundheitspolitik 2. Dezember 2008

Meinung - Sucht ist Alltagsphänomen

Viele, die „Sucht“ hören, denken an Menschen, die am Wiener Karlsplatz in aller Öffentlichkeit illegale Drogen konsumieren und handeln. Doch Sucht ist auch ein normales Alltagsphänomen.

Weniger Drogentote und „Schwerstabhängige“ – das klingt nach einem vorzeigbaren Erfolg. Der Drogenbericht bedient, wahrscheinlich ohne Absicht, einige Klischees: 18 Prozent der 15- bis 16-Jährigen hätten „Erfahrungen“ mit Cannabis – und Experimente mit anderen illegalen Drogen würden auch mehr Jugendliche machen. Der Ruf nach mehr Kontrolle oder mehr Verboten, der geht leicht von den Lippen. Solche „Lösungsvorschläge“ blenden Probleme aus. Mit dem kürzlich neu aufgelegten Tabakgesetz wurde eine große Chance verspielt, das Thema Prävention spielt eine viel zu kleine Rolle.

Neulich wurde mir bei einem Friseurbesuch um elf Uhr vormittags ein Glas Sekt angeboten. Nein danke! Andere Damen und Herren seien „mutiger“ gewesen und hätten das Angebot gerne angenommen, wurde mir gesagt hätten. Natürlich bin ich nicht gleich „süchtig“, wenn ich Sekt annehme – aber die Grenze zwischen Genuss und Sucht ist fließend. Und eine Alltagskultur, in der verschiedene „Drogen“ einen sehr wichtigen Stellenwert haben, kann einen verantwortungsbewussten Umgang mit diesen erschweren. Es geht um zentrale Lebensfragen, etwa wie mit Stress umgegangen werden kann, wie mit Problemen in Familie und Beruf, wie mit Enttäuschung oder Abwertung. Vergleichsweise einfach ist es, „strenge Maßnahmen“ gegen die Süchtigen am Karlsplatz zu verlangen, auch wenn viel zu wenig darüber bekannt ist, warum sie eigentlich süchtig sind, wie ihr Suchtverhalten konkret aussieht oder wie es schließlich zu Todesfällen kommt.

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Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher Journalist, Trainer & Berater

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