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Gesundheitspolitik 2. Februar 2010

Meinung: Ausweitung der klinisch-psychologischen Behandlung bei Kindern nötig.

Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen begrüßt das Erscheinen des 1. Berichts zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich, der die zunehmenden gesundheitlichen und psychischen Probleme von Kindern und Jugendlichen aufzeigt, aber auch interdisziplinäre Lösungsvorschläge anbietet. Wir müssen leider immer wieder feststellen, dass es viel zu wenig psychologische Betreuungsplätze und damit einhergehend viel zu lange Wartezeiten gibt, bis wichtige psychologische Maßnahmen gesetzt werden können. Verhaltensauffälligkeiten, Gewalt an Schulen, ADHS, steigender Nikotin- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen, immer mehr übergewichtige Kinder – das sind nur einige Themen, die man aus Medienberichten und Studienergebnissen kennt.

Um die psychische und gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen zu verbessern bzw. Problemen präventiv zu begegnen, empfiehlt der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen dringend die Umsetzung folgender Maßnahmen:

  • Aufnahme der klinisch-psychologischen Diagnostik in den Mutter-Kind-Pass

Als besonders wichtig erachten wir die Aufnahme der rechtzeitigen klinisch-psychologischen Diagnostik und Behandlung von Entwicklungsstörungen, die sich, wenn sie unbeachtet und vor allem unbehandelt bleiben, später zu gravierenden Verhaltensstörungen und Problemen führen können. Mit Diagnostik und Behandlung sollen z. B. Entwicklungsverzögerungen bei Kindern und Jugendlichen, Risikofaktoren wie etwa Suchtverhalten oder Stresssymptome frühzeitig erkannt und minimiert werden. Insbesondere für eine bessere Prävention bei Kindern und Jugendlichen streben wir darüber hinaus einen sogenannten Elternführerschein an, der auf bestehenden Pilotprojekten aufbaut.

  • Klinisch-psychologische Behandlung als Kassenleistung

Wir fordern die klinisch-psychologische Behandlung als Kassenleistung bereits seit vielen Jahren. Diese erachten wir v. a. im Kinder- und Jugendlichenbereich als unverzichtbar, denn mit rechtzeitiger Diagnostik und Behandlung kann vielen Problemen begegnet werden. Es ist daher dringend notwendig, die klinisch-psychologische Behandlung im ASVG zu verankern.

So leisten Klinische PsychologInnen nicht nur bei der Behandlung von psychischen Störungen einen wesentlichen Beitrag, sondern auch bei der Behandlung von Funktionsbeeinträchtigungen (beispielsweise bei herabgesetzten Gedächtnisleistungen, Wahrnehmungsproblemen) wie es neuropsychologische Trainings zur Rehabilitation anbieten.

Der Einsatz von psychologischen Interventionen und Behandlungsmethoden hat sich bei verschiedenen Verhaltensauffälligkeiten (Aggressionen, Angststörungen, emotionalen Beeinträchtigungen, Depressionen, Zwangsstörungen), bei psychosomatisch bedingten Erkrankungen (Kopfschmerzen, Asthma bronchiale, Einnässen, Einkoten, Essstörungen etc.) sowie bei chronischen Erkrankungen (Kinder und Jugendliche mit Tumor- bzw. Krebserkrankungen) zur Linderung der Beschwerden bewährt. Die Behandlung erfolgt durch Klinische PsychologInnen sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting.

  • Vermehrtes Einsetzen von SchulpsychologInnen

Mehr SchulpsychologInnen, die kompetent Kinder, Eltern und LehrerInnen bei der schulischen Arbeit unterstützen und begleiten können.

  • Elterncoaching

Ziel eines begleitenden Elterncoachings ist es, den Eltern zu helfen, Probleme in der Familie und mit Kindern rechtzeitig zu erkennen und konstruktiv zu lösen.

 

Die Helpline des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen (Vermittlung von PsychologInnen, Erstanlaufstelle für alle Fragen in diesem Zusammenhang) ist erreichbar unter Tel: 01 5048000.

Mag. Ulla Konrad, Berufsverband Österreichischer PsychologInnen, Ärzte Woche 5 /2010

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