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Foto: PhotoDisc
Der Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben für Kinder und Jugendliche entspricht lange nicht ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung.
 
Gesundheitspolitik 2. Februar 2010

Vergessene Kinder

Alarmierender Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit.

Selbstmordrate, Alkohol- und Nikotinmissbrauch – da liegen die heimischen Jugendlichen im Spitzenfeld der OECD-Staaten. In Bezug auf die Kinder- und Jugendgesundheit ist Österreich in der Europäischen Union Schlusslicht. Einen Skandal nennen die Autoren von der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, dass Kinder in Österreich beispielsweise ein Jahr auf einen Therapieplatz warten müssen.

Kinder und Jugendliche von bis zu 18 Jahren machen rund 19 Prozent der Bevölkerung aus, erhalten laut Statistik Austria jedoch nur sieben Prozent der Gesundheitsausgaben. Das ist auf der einen Seite aus physiologischen und demographischen Gründen verständlich, weil Gesundheitsbeeinträchtigungen im Lebensalter häufig zunehmen. Doch diese scheinbar plausible Begründung ist trügerisch. Die Realität ist, macht der Bericht nur allzu deutlich, dass Kinder und Jugendliche in Österreich oft nicht die ihrer Problematik angemessenen und ihnen zustehenden Gesundheitsleistungen erhalten.

Verteilungsunterschiede

So werden etwa Kinder mit Entwicklungsstörungen oder Entwicklungsbedrohungen häufig zu spät diagnostiziert und nur unzureichend versorgt. Das ist aber nur eine von vielen Wunden, auf die die Experten der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit ihre Finger legen. Mehrmonatige Wartezeiten und punktuell Aufnahmesperren zeugen davon, dass von einem bedarfsgerechten Leistungsangebot – vor allem im therapeutischen Bereich – nicht die Rede sein kann. Dieser Verteilungsunterschied zwischen verschiedenen Patientengruppen wird aber nicht nur in subjektiven Experteneinschätzungen, sondern auch durch objektive externe Untersuchungen deutlich. Internationale Studien wie zuletzt jene von Health Consumer Powerhouse 2007 weisen Österreich regelmäßig für das globale Angebot des heimischen Gesundheitssystems Spitzenränge zu. Nimmt man aber jene Arbeiten heraus, die Versorgungsleistungen und Ergebnisse nach dem Lebensalter differenzieren, ändert sich das Bild dramatisch.

Bei der herausgelösten Betrachtung der Gesundheitsdaten von Kindern und Jugendlichen nimmt Österreich in der aktuellen OECD-Studie 2009 lediglich den 27. Platz von 30 Ländern und in jener von UNICEF 2010 den letzten Platz ein. Zieht man in beiden Untersuchungen nur die EU-Länder heran, liegt ÖsOterreich jeweils an der letzten Stelle!

 

Quellen: Pressemitteilung und Kinder- und Jugendgesundheitsbericht 2010 der Liga.

 

 Der Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich 2010 findet sich als download auf: www.kinderjugendgesundheit.at

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 5 /2010

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