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Gesundheitspolitik 2. Februar 2010

„Gesund“gespart

Disease Management Programm für Diabetiker in Niederösterreich gescheitert.

„Wir nehmen mit großem Bedauern zur Kenntnis, dass das Disease Management Programm (DMP) Diabetes mellitus Typ 2 in Niederösterreich nicht fortgeführt werden kann“, so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. Bereits im Herbst wurde das Programm durch den Beschluss des Kammervorstandes gekündigt, da aus Sicht der Ärztekammer kein Nutzen für Patientinnen und Patienten ersichtlich war und das Programm nur bürokratischen Zusatzaufwand seitens der Ärztinnen und Ärzte und in letzter Konsequenz damit sogar eine Verschlechterung der Versorgung mit sich gebracht hatte.

In der Zwischenzeit gab es ein Zusammentreffen zwischen der Niederösterreichischen Ärztekammer und den Vertragsparteien NÖGUS und NÖGKK, um die für eine Weiterführung notwendigen Optimierungen zu besprechen, die von einer kammerinternen Arbeitsgruppe ausgearbeitet wurden. „Wir Ärzte in Niederösterreich haben uns bei der Kündigung jedoch nie, wie behauptet, gegen die bestmögliche Betreuung unserer Patientinnen und Patienten ausgesprochen, sondern für die bestmögliche Betreuung. Das wollten wir mit einer neuen Vereinbarung auch unter Beweis stellen“, betont Reisner und fügt erklärend hinzu: „Doch unsere Vorschläge wurden von der Gebietskrankenkasse abgelehnt. Daher hat der Kammervorstand den Beschluss vom Vorjahr bekräftigt.“

Viele Hürden

Als beispielhaft für die aus Ärztekammersicht vorhandenen Probleme beim DMP-Programm nennt Reisner die Schulungsverpflichtung für teilnehmende Ärzte in absoluten Grundlagen des Arztberufs. Der Standesvertreter der niederösterreichischen Ärzteschaft betont, sich gegen die Tendenz wehren zu wollen, heimlich Hürden und Zugangsbeschränkungen aufzubauen und diese als Qualitätssicherung zu deklarieren. Jeder Arzt habe schließlich in seiner Ausbildung gelernt, wie Diabetiker behandelt werden und bilde sich auch regelmäßig im großen Umfang fort. Viel mehr, als es andere Berufsgruppen tun. Reisner: „Hier noch zusätzliche Schulungen als Grundvoraussetzung für die Behandlung zu verlangen, reduziert natürlich die Anzahl der legitimierten Ärzte. Wir halten es jedoch für sinnvoll und notwendig, dass alle, die das nachgewiesenermaßen gelernt haben, auch die Behandlung durchführen dürfen.“

Ähnlich sei die Situation laut Ärztekammer auch auf Patientenseite. Die Notwendigkeit einer Unterschrift seitens der Patienten hätte dafür gesorgt, dass es auch hier zu einer „Selektion“ gekommen sei und die wirklichen Problemfälle im Rahmen des DMP-Projekts gar nicht erfasst werden konnten. „Wir als Vertreter der Ärztekammer wollen jedoch sichergestellt wissen, dass diese Versorgung für alle Diabeteserkrankten zugänglich ist und auch in weiterer Folge für alle Patienten im Rahmen von vergleichbaren DMP-Projekten für andere Krankheitsbilder“, betont Reisner.

Der niederösterreichische Ärztekammerpräsident sieht darin ein klares Zeichen, wie die Verantwortlichen zur Betreuung von Hilfsbedürftigen wirklich stünden. „Mehr als 90 Prozent der betroffenen Patienten in Niederösterreich wurden im Projekt DMP nicht erfasst. Daher kam es aus unserer Sicht zu keiner Verbesserung des ärztlichen Leistungsangebotes“, sagt Reisner. Das Interesse an dem Projekt seitens der Ärzteschaft wäre aus diesen Gründen schon immer gering gewesen.

Allgemeine Spartendenz

Die Berücksichtigung ihrer Vorschläge hätte laut NÖ Ärztekammer eine deutliche Verbesserung der Betreuungssituation für alle Diabetiker gebracht. Reisner: „Traurig ist, dass auch in dieser Angelegenheit die allgemeine Spartendenz im Gesundheitsbereich voll greift.“ Begründet würde die Ablehnung unter anderem mit „der Sozialversicherung vorgegebenen Finanzzielen“. Reisner: „Sinngemäß bedeutet das, dass für die Betreuung der Diabetiker in diesem Land nicht genügend Geld zur Verfügung gestellt wird. Wenn wir solche Krankheiten effizient behandeln wollen, brauchen wir mehr statt weniger Geld im Kassensystem. Im wohnortnahen, hausärztlichen Bereich sollten die Ärzte daher auch uneingeschränkt das Wissen anwenden dürfen, das zu den Grundlagen des Berufs gehört.“

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