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Gesundheitspolitik 26. November 2008

Europäische Gesundheitssysteme auf dem Prüfstand

Laut „Euro Health Consumer Index“ ist Österreich nicht mehr die Nummer eins in Europa.

Mankos werden beim Thema E-Health und der Prävention geortet. Aber auch der Index unseres Gesundheitssystems erntet Kritik – fraglich sei etwa, ob die Qualität der erhobenen Daten ausreicht.

 

Seit 2005 wird von der privaten Firma Health Consumer Powerhouse mit Sitz in Brüssel jährlich der „Euro Health Consumer Index“ (EHCI) erhoben. „Finanziert wird diese Arbeit aus unseren anderen Projekten, den europäischen Indizes zu Themen wie Herzgesundheit, Diabetes und Impfungen – diese werden von Pharmaunternehmen und nationalen Gesundheitsinstitutionen bezahlt“, erklärt Kajsa Wilhelmsson, Pressesprecherin von Health Consumer Powerhouse. Inzwischen wird der E-Health-Aspekt des Projekts mit Zuschüssen der EU-Kommission unterstützt.

Erstellt wird ein Ranking der Gesundheitssysteme der 27 Mitgliedstaaten der EU plus Norwegen, der Schweiz, Kroatien und Mazedonien. Basis sind 34 Indikatoren in sechs Kategorien: Patientenrechte und Information, E-Health, Wartezeiten, Behandlungsresultate, Zugang zum Gesundheitswesen und zur pharmazeutischen Versorgung. Im Vorjahr lag Österreich an erster Stelle, heuer nur mehr an dritter, wobei auch Deutschland von Rang fünf auf Rang sechs sowie die Schweiz von Platz vier auf sieben fiel. An der Spitze liegen heuer die Niederlande mit 839 von 1.000 möglichen Punkten, gefolgt von Dänemark (820) und Österreich (748). Schlusslichter sind Kroatien (464), Mazedonien (463) und an 31. Stelle Lettland (449).

Auf Rang 13 liegt Großbritannien – begründet wird das vor allem mit überlangen Wartezeiten. Gesundheitsminister Alan Johnson wird in der Tageszeitung Daily Mail zitiert, dass die Arbeit und Daten des EHCI in „keinen anerkannten akademischen oder internationalen Organisationen verankert sind. Es werden fehlerhafte Methoden und alte Daten verwendet.“ Wilhelmsson entgegnet, dass nicht nur aktuelle Analysen von der OECD und WHO herangezogen werden, sondern „immer auch Kontakt mit medizinischen Gesellschaften, Ärztekammern und den Gesundheitsministerien aufgenommen wird.“

In Österreich ist laut EHCI der Zugang zu Medikamenten europaweit der beste. Gute Ergebnisse gibt es auch bei den Wartezeiten, in der Kindersterblichkeit, der Mortalitätsrate bei Krebs, der Suizidprävention und bei Nierentransplantationen. Bei den Gesundheitsausgaben liegt Österreich im Ranking nun auf Platz vier, ebenso eine Verschlechterung. Verbesserungspotenziale gibt es bei der Effizienz der Prävention: Österreich liegt beim europäischen Diabetes-Index auf Platz zwölf unter 29 Staaten. Das ist mit ein Grund für den Verlust des ersten Platzes. „Das ist ein Handlungsauftrag an die Gesundheitspolitik. Unumgänglich ist eine groß angelegte Präventionskampagne zu Diabetes, ein Fach Gesundheitserziehung in den Schulen und eine Erhöhung der Kassenausgaben für Prävention – diese betragen derzeit nur magere zwei Prozent der Gesamtausgaben“, sagt Dr. Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK).

Beteiligung der Patienten

„Ein zentrales Ziel des EHCI ist die Stärkung der Patientenrechte und dass die Patienten sich aktiv an Prävention und Therapieprozessen beteiligen können“, betont Wilhelmsson – auch hier gäbe es in Österreich noch Handlungspotenzial, etwa beim Zugang zu unabhängigen Informationen über Krankheiten sowie Strategien für einen gesunden Lebensstil.„Einerseits zeigen die Ergebnisse des EHCI, dass es keinen Grund gibt, unser Gesundheitssystem krankzujammern, andererseits ist es ebenso wichtig, manche Detailergebnisse kritisch zu betrachten“, meint Mag. Karin Rösel-Schmid, Juristin im Internationalen Büro der ÖÄK. Manche Analysen würden auf veralteten Studien basieren.

E-Health in der Waagschale

Laut Arne Björnberg, Ph. D., Vizerektor von Health Consumer Powerhouse, ist die Hauptursache für Österreichs dritten Platz die erstmalige Berücksichtigung des Themenkomplexes „E-Health“. Dazu meint Rösel-Schmid: „E-Health wird in einigen nordeuropäischen Staaten stark vorangetrieben. Wo krasser Ärztemangel herrscht wie in Schweden, ist diese moderne Technologie dringend nötig, um die örtliche Entfernung zwischen Arzt und Patient zu überbrücken.“ Zudem gäbe es in diesen Ländern oft einen völlig anderen Zugang zum Thema Datenschutz als hierzulande. Österreich, mit seinem dichten Netz an Ärzten und Gesundheitseinrichtungen, sei in einer anderen Situation. „Grundsätzlich begrüßt die Österreichische Ärztekammer internationale Studien wie den EHCI. Wir haben uns daher bemüht, Health Consumer Powerhouse den Zugang zu aktuellen Daten zu ermöglichen. Von unserem Gesundheitsministerium werden eher nur spärlich Daten geliefert.“

Zum Thema veraltete Daten sagt Wilhelmsson: „Jene von der OECD sind aufgrund der langen und komplexen Erhebung einfach nicht jünger und teilweise existieren keine aktuelleren Daten.“ Sie erinnert daran, dass etwa in Dänemark der EHCI mit dazu geführt hätte, dass einige Verbesserungen im Gesundheitssystem umgesetzt wurden.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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