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Foto: photos.com
Im Gesundheitswesen wollen viele ihr eigenes Süppchen kochen. Aber auch hier gilt der alte Spruch: „Viele Köche verderben den Brei.“

Dr. Arno Melitopulos Geschäftsführer der GÖG und Bereichsleiter des ÖBIG

Eva-Maria Baumer, MPH Leiterin des BIQG

Fotos (3): gög/bruckner

Mag. Christoph Hörhan Leiter des FGÖ

 
Gesundheitspolitik 20. Jänner 2010

Zentrale Plattform im Gesundheitswesen

Die Gesundheit Österreich GmbH verfolgt das Ziel, alle Initiativen, Player und Interessen zu einem gemeinsamen Ganzen zusammenzuführen.

Mit seinen komplexen Strukturen und verflochtenen Finanzströmen ist das österreichische Gesundheitswesen selbst für Kenner nicht leicht zu überblicken. Die Zahl der Akteure ist groß, die Kompetenzen sind zersplittert, oft wird das gemeinsame Ziehen an einem Strang schmerzlich vermisst. Zielsetzung der Gesundheit Österreich GmbH mit ihren drei Geschäftsbereichen ist es, alle maßgeblichen Akteure an einen Tisch zu holen und die Aktivitäten zu koordinieren.

 

Die Gesundheit Österreich GesmbH (GÖG) wurde im Jahr 2006 als nationales Forschungs- und Planungsinstitut für das Gesundheitswesen sowie als Kompetenz- und Förderstelle für die Gesundheitsförderung errichtet. Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) und der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) – etablierte Einrichtungen seit 1973 bzw. 1998 – wurden als Geschäftsbereiche eingegliedert. Im Jahr 2007 folgte das Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) als dritter Geschäftsbereich (siehe Kasten 1).

„Unser Ziel und Auftrag ist es, der Strukturplanung, Gesundheitsförderung und Qualitätssicherung im Gesundheitswesen einen Rahmen zu geben und so die zahlreichen Anstrengungen in diesen Bereichen zu bündeln“, erklärt Dr. Arno Melitopulos, seit Juni 2009 Geschäftsführer der GÖG und Bereichsleiter des ÖBIG (siehe Kasten 2).

Wissenschaft und Praxis

„Wir bewegen uns in keinem Elfenbeinturm, sondern bewerkstelligen den Brückenschlag zwischen wissenschaftlicher Grundlagenarbeit und Praxis. Von der fachlichen Basisarbeit über die Konzeption bis zur Umsetzung können wir umfassende Kompetenz anbieten.“ Ein zentraler Grundsatz ist die partnerschaftliche Einbindung aller Vertragsverantwortlichen. Darüber hinaus soll der Patient im Mittelpunkt der integrierten intra- und extramuralen Versorgung stehen. Weiters bürgt das GÖG für Objektivität, Rechtmäßigkeit, Transparenz und Publizität der Aufgaben.

ÖBIG

Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen führt Forschungs- und Planungsarbeiten durch (z.B. Österreichischer Strukturplan Gesundheit, ÖSG); Regionale Strukturpläne (RSG), etwa für Salzburg, Tirol, Kärnten und Wien, erstellt Gesundheitsberichte als Grundlage für die Steuerung, entwickelt Curricula für nichtärztliche Gesundheitsberufe und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Gesundheitsökonomie, System- und Präventionsforschung. „Das ÖBIG befasst sich außerdem noch mit einigen Spezialbereichen, wie etwa dem Transplantationswesen, der Zahngesundheit und Drogen“, so Melitopulos.

BIQG

Das Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen ist im Auftrag der Bundesgesundheitskommission für die Entwicklung, Umsetzung und regelmäßige Evaluierung eines gesamtösterreichischen Qualitätssystems zuständig. Es folgt dabei den Prinzipien der Patientenorientierung, Transparenz, Effektivität und Effizienz. Hervorzuheben sind vor allem die Arbeiten im Bereich der Prozess- und Ergebnisqualität, insbesondere die Qualitätsregister sowie Patienteninformation und Health Technology Assessments (HTA). Ein zentrales Element soll in Zukunft eine regelmäßige Berichterstattung über das Qualitätssystem im österreichischen Gesundheitswesen sein.

„Gerade im Bereich der Qualitätssicherung gibt es sehr viele gute Konzepte und engagierte Initiativen, die oft nicht nachhaltig in die Praxis umgesetzt werden“, betonte die Leiterin des BIQG, Eva-Maria Baumer, MPH. „Die Patienten haben ein Recht darauf, dass die Sicherung der Qualität im Gesundheitswesen höchste Priorität hat und die Information darüber auch transparent gemacht wird. Es geht darum, sinnvolle und praktikable Standards mit Verbindlichkeit auszustatten, auch wenn sie Geld kosten und Veränderung bedeuten.“

FGÖ

Der Fonds Gesundes Österreich ist die nationale Kompetenzstelle für Gesundheitsförderung und Prävention. Als „Dienstleister“ fördert der FGÖ diverse Projekte und führt Kampagnen durch. Ziel ist es, gesunde Lebensweisen und gesunde Lebenswelten für möglichst viele Menschen in Österreich erreichbar zu machen. Insgesamt flossen bisher mehr als 36 Millionen Euro in die Unterstützung von zirka 725 Projekten. Vielfalt und Qualität dieser Initiativen sind in einer Projektdatenbank dokumentiert. „Vor allem in der Prävention und Gesundheitsförderung ist die Bündelung der Aktivitäten von zentraler Bedeutung“, betonte der Leiter des FGÖ, Mag. Christoph Hörhan. „Wir haben begrenzte Mittel zur Verfügung und müssen dafür sorgen, dass diese möglichst wirksam und nachhaltig eingesetzt werden."

 

Quelle: Pressegespräch „Kompetenz im Gesundheitswesen unter einem Dach“, 25. November 2009, Wien

 

 Link: Weitere Informationen unter www.goeg.at

Kasten 1:
Geschäfts- und Arbeitsbereiche der GÖG
ÖBIG – Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen
Leitung: Dr. Arno Melitopulos
• Prävention
• Gesundheitsberichterstattung
• Gesundheitsplanung
• Gesundheitsberufe
• Gesundheitsökonomie
• Transplantation & Transfusion
• Alten-, Langzeit- und Psychosoziale Versorgung

BIQG – Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen
Leitung: Eva-Maria Baumer, MPH
• Patientensicherheit und Qualitätsinformation
• Qualitätsprogramme
• Ergebnisqualität
• Qualität und Wirtschaftlichkeit / Health Technology Assessment

FGÖ – Fonds Gesundes Österreich
Leitung: Mag. Christoph Hörhan
• Projektförderung und -entwicklung für Gesundheitsförderung
• Auftragsvergabe Gesundheitsförderungs-Forschung
• Qualitätsentwicklung und Fördermanagement
• Fort- und Weiterbildung, (inter-)nationale Vernetzung
• Information und Aufklärung
• Selbsthilfe (SIGIS)
Kasten 2:
Beispiele für Bedeutung der GÖG
• Planung: Fast jedes Bundesland hat einen Strukturplan, die regionalen Strukturpläne sind jedoch sehr unterschiedlich ausgestaltet. Hier ist es wichtig, einen Gesamtüberblick im Rahmen eines „ÖSG-Monitoring“ darüber zu bekommen ob die RSGs mit dem Gesamtgefüge und dem Bedarf übereinstimmen bzw. in Einklang zu bringen sind.
• Qualitätssicherung: Zum Thema Brustgesundheit laufen in fünf Bundesländern fünf unterschiedliche Pilotprojekte zu Mammografie-Screenings. Hier ist eine einheitliche, flächendeckende Methodik erwünscht. Die Zusammenführung ist eine der Aufgaben des GÖG.
• Prävention: Diese ist im Regierungsprogramm enthalten und wird von verschiedensten Stellen betrieben. Das GÖG wurde von der Bundesgesundheitskommission damit beauftragt, eine Gesamtstrategie samt Finanzierung zu erarbeiten.
• Internationaler Kontext: Ziel ist es, in der Evaluierung von Studien auch internationale Daten einzubeziehen und auch selbst Daten zu liefern (z.B. an die OECD). Die GÖG fungiert auch als Partner der WHO.

Von Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche 3 /2010

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