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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 20. Jänner 2010

News aus Brüssel

E-health: Einsparungspotenzial in Milliardenhöhe

Vorbei die Zeiten, als man die elektronische Erfassung gesundheitsrelevanter Daten – neudeutsch „e-health“ – als rein technologischen Orchideenbereich angesehen hat: Nun liegen eindeutige Zahlen darüber vor, wie e-health die finanziellen Belastungen der Gesundheitsträger reduzieren kann.

Die schwedische EU-Präsidentschaft des letzten halben Jahres, die den medizinischen Fokus unter anderem auf Bereiche wie die Schweinegrippe, antimikrobielle Resistenzen oder Alkoholkonsum legte, gab außerdem eine Studie in Auftrag, die aufzeigen sollte, inwieweit e-health die Gesundheitsversorgung in der EU effektiver und effizienter gestalten könnte. Beispiele für e-health sind elektronische Patientenakten, elektronische Verschreibungen, digitale Röntgenaufnahmen und Gesundheitsinformation, die via Internetseiten an die Bürger eines Landes gerichtet ist. Die Ergebnisse zeigen ein signifikantes Einsparungspotenzial in den verschiedensten Bereichen:

  • Fünf Millionen Fehler bei Verschreibungen für ambulante Patienten könnten durch den Einsatz eines elektronischen Transfers verhindert werden.
  • Jährlich könnten computergesteuerte ärztliche Befundeingaben und Entscheidungshilfen 100.000 unerwünschte medikamentöse Nebenwirkungen bei ambulanten Patienten verhindern. Dieses würde wiederum etwa 700.000 Spitalsbetten jährlich freisetzen, womit Wartezeiten signifikant vermindert und Einsparungspotenziale von fast 300 Millionen Euro realisiert werden könnten.
  • Durch den Einsatz computergesteuerter Patientenakten könnten jährlich neun Millionen Krankenhausbettentage eingespart werden – hier wird ein Einsparungspotenzial von beinahe 3,7 Milliarden Euro angegeben.
  • Computergesteuerte elektronische Patientenakten (electronic medical records, EMR) könnten pro Jahr mehr als 11.000 Todesfälle wegen Diabetes verhindern.

Bedauerlicherweise haben manche Gesundheitsträger negative Erfahrungen mit gescheiterten e-health-Projekten gemacht und sind daher zurecht von den aktuell installierten Systemen frustriert, räumt der schwedische Minister für Gesundheit und Soziale Angelegenheiten, Göran Hägglund, ein. Doch „aus diesen Erfahrungen sollte man lernen und sie keinesfalls zu Barrieren für den Fortschritt werden lassen“. Die Empfehlungen der EU: Die Mitgliedstaaten sollten e-health-Initiativen unbedingte Priorität einräumen, weiters sollen das Erstellen entsprechender Statistiken verbessert, aktuell eingesetzte Systeme optimiert und Methoden entwickelt werden, um medizinische Fehler zu evaluieren, verfolgen und somit vermindern zu können.

Zwei weitere Themen, die ebenfalls auf der Agenda standen, waren einerseits „Patientenrechte in anderen EU-Staaten“ – ein Thema, das mit e-health im wahrsten Sinn des Wortes eng vernetzt ist. Hier wurde kein Konsensus gefunden, der Bereich muss während der aktuellen Spanischen Präsidentschaft weiter diskutiert werden. Auf der anderen Seite stimmten die EU-Mitgliedstaaten überein, die Kooperationen bezüglich eines möglichst „gesunden und würdevollen Älterwerdens“ zu verstärken, Erfahrungen und ‚good practices’ vermehrt auszutauschen. Spätestens 2011 sollen weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Situation älterer Mitbürger vorgestellt werden.

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