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Foto: Privat
Dr. Michael Peitinger Leiter des Referats für „Ethik und Palliativmedizin“ der Ärztekammer Wien
 
Gesundheitspolitik 20. Jänner 2010

Eine Patientenverfügung ist kein Misstrauensantrag gegen den Arzt.

Leider gibt es nach wie vor einige Fälle, wo Patienten ihren Arzt aktiv nach der Patientenverfügung fragen, und Antworten im Stil von: „Wer wird denn ans Sterben denken?“ bekommen. Ziel wäre in den nächsten Jahren, das Wissen über die Möglichkeiten einer Patientenverfügung und auch jene der Vorsorgevollmacht deutlich zu verbessern. Ein wichtiger Beitrag dazu wäre, dass ärztliche Aufklärungsgespräche im niedergelassenen Bereich für diese Maßnahmen von der Sozialversicherung entsprechend honoriert werden und nicht vom Patienten selbst bezahlt werden müssen.

Ein entscheidender Ansatzpunkt sind Akzente in der Ausbildung der Mediziner: Wenn ein Patient über eine Verfügung nachdenkt, ist das keinesfalls als Ausdruck des Misstrauens gegenüber der Kompetenz des Arztes oder seiner Begleitungsfunktion zu werten. In Wahrheit handelt sich um eine gemeinsame Auseinandersetzung mit Situationen, in denen es nicht nur um die bewusste Gestaltung der letzten Lebensphase, sondern auch den Umgang mit Akutsituationen geht.

Wichtig wäre daher weiters – auch als Hilfe für den konkreten Umgang mit Patientenverfügungen – die Etablierung einer klinischen Ethikberatung in jedem Krankenhaus. Aus meiner Sicht ist wenig hilfreich, dass im Gesetz zwischen beachtlicher und verbindlicher Verfügung unterschieden wird – letztlich geht es um eine Willensbekundung, die auf jeden Fall ernst zu nehmen ist. Zu bedenken ist gerade im Licht der Diskussion um ihre Dokumentation, dass es viele Verfügungen aus der Zeit vor der Gesetzwerdung gibt.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Drei Jahre Patientenverfügung

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Prof. Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte: „Mehr Informationsarbeit zur Patientenverfügung wäre wichtig. Der Hausarzt spielt hier eine wichtige Rolle.

Von Prof. Dr. Ulrich H. J. Körtner, Leiter des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin: „Die geringe Zahl an Patientenverfügungen lässt nicht automatisch auf mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung schließen.

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