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Prof. Dr. Ulrich H. J. Körtner Leiter des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin
 
Gesundheitspolitik 20. Jänner 2010

Die geringe Zahl an Patientenverfügungen lässt nicht automatisch auf mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung schließen.

Ein Grund, warum es nicht mehr Patientenverfügungen gibt, ist sicher, dass sich viele Menschen mittleren Alters nicht aktiv mit der letzten Lebensphase oder lebensbedrohlichen Akutsituationen auseinandersetzen wollen. Das Vertrauensverhältnis, das gerade zwischen niedergelassenen Allgemeinmedizinern und ihren Patienten herrscht, wäre ein sehr guter Ausgangspunkt, um diese Fragen zu thematisieren. Ärzte sollten also auch – die Ressource Vertrauen nützend – aktiv auf die Instrumente der Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht aufmerksam machen. Aber auch auf anderen Ebenen bräuchte es mehr Aufklärungsarbeit für diese Möglichkeiten.

Generell hat sich das Patientenverfügungsgesetz bewährt – die geringe Zahl tatsächlich erstellter Verfügungen heißt weder, dass es seine Ziele verfehlt hat, noch, dass generell die Akzeptanz in der Bevölkerung fehlt. Unsere Studie zeigt, dass die ärztlichen Erfahrungen mit der Patientenverfügung noch gering sind – im Umgang mit dem neuen Instrument zeigen sich manche Ärzte noch immer unsicher oder schlecht informiert. Das Gesetz wird aber von vielen begrüßt, weil es zu mehr Rechtssicherheit führt.

Reformbedarf besteht sicher insofern, als oft davon ausgegangen wird, dass der Patient eine Bringschuld hat, über eine vorhandene Patientenverfügung zu informieren. Die Register für verbindliche Patientenverfügungen werden im Normalfall nicht abgefragt – es fehlt eine zentrale Dokumentation. Aufklärungs- und Fortbildungsbedarf gibt es zudem beim Themenfeld Notfallmedizin und wie dort der Patientenwille berücksichtigt werden kann.

Noch ein wichtiger Punkt ist: Schlechte Kommunikation, die zu Lasten des Patienten geht, lässt sich nicht durch ein schriftliches Dokument ersetzen – wichtig bleiben ausführliche Aufklärung und einfühlsame Begleitung.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Drei Jahre Patientenverfügung

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Prof. Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte: „Mehr Informationsarbeit zur Patientenverfügung wäre wichtig. Der Hausarzt spielt hier eine wichtige Rolle.

Von Dr. Michael Peitinger, Leiter des Referats für „Ethik und Palliativmedizin“ der Ärztekammer Wien: „Eine Patientenverfügung ist kein Misstrauensantrag gegen den Arzt.

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