zur Navigation zum Inhalt
Foto: Archiv
Dr. Gerald Bachinger Sprecher der Patientenanwälte
 
Gesundheitspolitik 20. Jänner 2010

Mehr Informationsarbeit zur Patientenverfügung wäre wichtig. Der Hausarzt spielt hier eine wichtige Rolle.

Zum Vergleich: In Deutschland haben etwa zehn Prozent der Bevölkerung eine Patientenverfügung. Das wäre auch ein für Österreich erstrebenswertes Ziel. Es gibt nach wie vor ein hohes Informationsdefizit, gleichzeitig sind Sterben und Tod nach wie vor Tabuthemen, über die leider sehr wenig reflektiert wird. Oft besteht bei den Menschen die Grundhaltung: „Der Arzt wird wissen, was das Beste ist.“ Dieses Vertrauen ist sicher berechtigt, aber manchmal eine Überforderung für den Arzt. Die Suche nach dem mutmaßlichen Patientenwillen ist in Akutsituationen oft sehr schwierig, wenn sich dieser nicht mehr selber äußern kann. Die Auseinandersetzung mit dem Thema müsste wesentlich früher beginnen – hier spielen die niedergelassenen Ärzte sicher eine wichtige Rolle.

Besonders offen für das Thema sind Menschen mit chronischen Krankheiten, wo bestimmte Verläufe absehbar sind, sowie alleinstehende ältere Menschen, die schon bislang versucht haben, ihr Leben sehr selbstbestimmt zu gestalten.

Eine Ethikberatung in den Spitälern wäre sicher sinnvoll. Zudem könnten Alters- und Pflegeheime ihre Rolle als Kompetenzzentren im Umgang mit der letzten Lebensphase stärker umsetzen und beispielsweise durch Vorträge allgemeine Informationen vermitteln. Mehr Aufklärungsarbeit wäre zudem für die Vorsorgevollmacht wichtig.

Ich halte die Unterscheidung zwischen beachtlicher und verbindlicher Patientenverfügung für sinnvoll. Zweitere hat sehr genaue Situationen im Blickfeld, erstere gibt allgemeinere Handlungsrichtlinien, an denen sich Mediziner und Pflegefachkräfte orientieren können.

Zum Thema Dokumentation: Das Vorhandensein einer Patientenverfügung muss auf jeden Fall in der kommenden elektronischen Gesundheitsakte dokumentiert sein – es darf nicht sein, dass dies zu einem Suchspiel für das involvierte medizinische und pflegerische Personal wird.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Drei Jahre Patientenverfügung

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Prof. Dr. Ulrich H. J. Körtner, Leiter des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin: „Die geringe Zahl an Patientenverfügungen lässt nicht automatisch auf mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung schließen.

Von Dr. Michael Peitinger, Leiter des Referats für „Ethik und Palliativmedizin“ der Ärztekammer Wien: „Eine Patientenverfügung ist kein Misstrauensantrag gegen den Arzt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben