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Foto: Privat
Prof. Dr. Heinrich Binder Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation
 
Gesundheitspolitik 13. Jänner 2010

Suboptimale Versorgung von Insultpatienten verursacht hohe Folgekosten.

Die Frührehabilitation erfolgt meist nach der Stroke Unit an neurologischen Abteilungen. Diese haben keine „eigenen“ Physio-, Ergotherapeuten oder Logopäden, sondern bekommen diese in der Regel jeweils vom hauseigenen Institut für physikalische Medizin zugewiesen. Es ist richtig, dass in manchen Fällen zu wenige Therapeuten für eine wirklich optimale Umsetzung erster Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Schlaganfallpatienten werden in B- und C-Phase-Patienten unterteilt. Erstere sind von Pflege abhängig und teils bewusstseinsgestört. Diese sollten, wie es der Rehabilitationsplan des Hauptverbandes vorsieht, in Akutspitälern versorgt werden. Allerdings ist die Abgrenzung zu den C-Phase-Patienten nicht immer so scharf, die Zahl der Betten im Spital ist beschränkt und daher erfolgt der Übergang teils zu früh. Es ist sicher ein Problem, dass die Rehazentren für alle Patienten dieselben Sätze erhalten, egal wie intensiv Behandlung und Betreuung sind. Alle Verantwortlichen müssten sich an einen Tisch setzen, um endlich gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Dies ist auch insofern nötig, als sicher zusätzliche semistationäre und ambulante Versorgungszentren für Patienten nach einem Schlaganfall nötig sind, vor allem in dezentralen Regionen. Diese müssten zudem mit mobilen Teams kooperieren. Es ist unverständlich, wieso sich hier praktisch nichts bewegt – denn die Betreuung eines Schlaganfallpatienten, der nicht die nötige individuelle Unterstützung bekommt, verursacht sehr hohe Folgekosten in allen Bereichen, ganz abgesehen vom persönlichen Leid des Betroffenen und seiner Angehörigen. Ebenso einen Entwicklungsbedarf gibt es für einheitliche Qualitätsrichtlinien für alle Rehazentren, egal wer der Träger ist. Da gab und gibt es bereits Entwürfe, die Verhandlungen sind allerdings noch nicht wirklich weitergekommen.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Schlaganfall-Patienten werden nicht optimal versorgt

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Prof. Dr. Wilfried Lang, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfall-Forschung: „Ziel wäre eine individuell abgestimmte Versorgung.

Von Manuela Messmer-Wullen, Obfrau der Schlaganfall-Hilfe Österreich: „Die Versorgung sieht in den Regionen sehr unterschiedlich aus.

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