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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 7. Jänner 2010

News aus Brüssel

Europas vergessene Kinder

Kinder, deren Eltern an mentalen Erkrankungen leiden – das sind die „vergessenen Kinder“, die im Zentrum der gleichnamigen Konferenz Ende November in Vilnius, Litauen, standen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der EUFAMI, der „Europäischen Angehörigenorganisation von Menschen mit psychischen Erkrankungen“, in Partnerschaft mit der EU-Gesundheitskommission und der WHO.

200 Delegierte aus 25 europäischen Ländern nahmen an der Konferenz teil, die auf die Probleme und Herausforderungen aufmerksam machen wollte, mit denen die betroffenen Kinder täglich konfrontiert sind.

Zentrale Punkte der Konferenz

  • Angebote an betroffene Menschen sollten die gesamte Familie mit einbeziehen, nicht nur die Kinder und Eltern, sondern beispielsweise auch die Großeltern, die unter Umständen die Rolle der Eltern übernehmen müssen.
  • Die unterstützenden Maßnahmen sollten frühzeitig beginnen, schon vor der Geburt, und einen Fokus auf das erste Lebensjahr und die Pubertät legen. Das Ziel sollte sein, Eltern dabei zu helfen, ihre elterlichen Fähigkeiten trotz ihrer mentalen Erkrankung zu entwickeln, Familien zusammenzuhalten und somit zu verhindern, dass Kinder von ihrem Zuhause entfernt werden müssen.
  • Menschen mit mentaler Krankheit können gute Eltern sein, sofern die richtige Unterstützung auf kontinuierlicher Basis vorhanden ist. Dies kann fachliche Betreuung außerhalb oder zu Hause sein.
  • Eltern mit mentaler Krankheit haben Anrecht auf alle Rechte, die sie als Bürger besitzen; dies schließt mit ein, dass sie von anderen nicht stigmatisiert werden und ihnen keine Schuldgefühle in Bezug auf ihre elterlichen Fähigkeiten aufgebürdet werden. Politische Maßnahmen sollten darauf abzielen, das Bewusstsein für diese Problematik zu steigern, die Probleme mentaler Krankheiten zu verstehen und die Sensitivität gegenüber den Betroffenen zu verbessern.

Zwischen offiziellen Stellen zerrissen

„Diese Kinder tragen Lasten, die sie unmöglich alleine schultern können“, so die Delegierten in ihrer Abschlusserklärung. „Sie sind in besonderem Maß von langfristigen emotionalen und Verhaltensproblemen betroffen und können normalerweise nicht darüber mitentscheiden, wie sie behandelt werden. Sie und ihre Familien bedürfen einer regelmäßigen Unterstützung durch Sozialarbeiter, Lehrer und Gesundheitsbeauftragte.“ Ein Problem sei auch die Tatsache, dass manche Kinder zwischen verschiedenen Stellen regelrecht zerrissen sind – Erwachsenenpsychiatrie, Kinderfürsorge, Schule.

Ein erster Schritt

Verbesserungen auf diesem Gebiet setzen natürlich die Kooperation zwischen den verschiedensten Organisationen und Strukturen voraus. „Es gibt viele ‚good practices’, welche die Entwicklung dieser Kinder fördern, doch werden diese noch nicht flächendeckend in ganz Europa eingesetzt – diese Konferenz soll ein erster Schritt in die richtige Richtung sein“, erklärte Kevin Jones, Generalsekretär der EUFAMI.

 

 www.eufami.org

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