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Ausgewogene Ernährung ist in Betrieben und Schulen ein Fremdwort – gerade hier könnte jedoch nachhaltige Krankheitsprävention gelebt werden.
Foto: Privat

Prim. Prof. Dr. Friedrich Hoppichler Vorsitzender der unabhängigen Initiative „SIPCAN – save your life“

 
Gesundheitspolitik 7. Jänner 2010

Ungesunder Start nach den Feiertagen

Kantinen könnten wichtige Beiträge zur gesunden Ernährung liefern – dies müsste aber auch strukturiert gefördert und gefordert werden.

Laut Analysen des Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) konsumieren fast zwei Millionen Österreicher ihr Mittagessen regelmäßig in Kantinen, Werksküchen und Mensabetrieben bzw. in einem Gasthaus. Das kulinarische Angebot entspricht in den allermeisten Fällen nicht den Empfehlungen für eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Damit bleibt ein wichtiger Hebel zur Krankheitsprävention ungenutzt.

 

„Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke, wenige Vollkornprodukte, Gemüse höchstens als Garnitur und Äpfel als einziges Obst“, so das Ergebnis einer Untersuchung der niederösterreichischen Schulbuffets durch die Arbeiterkammer. Weißmehlprodukte stellen bei Brot und Gebäck den Hauptanteil – der Belag besteht meist aus Extrawurst. Fast die Hälfte der Schulen bietet kein Obst an und wenn, wird es oft sehr unattraktiv präsentiert.

Die größte Vielfalt findet sich bedauerlicherweise nicht bei Milchprodukten, Obst und Gemüse, sondern bei Süßigkeiten und Knabbereien, wobei Hochkalorisches mit hoher Energiedichte überwiegt. Getränke werden zum Großteil über Automaten verkauft, aber auch an den Buffets selbst gibt es hauptsächlich Limonaden, Fruchtnektare, Dicksäfte, Energydrinks und Colagetränke. Mineralwasser sowie Trinkwasser in Spendern sind eine Rarität.

Langfristiges Umdenken fördern

Prim. Prof. Dr. Friedrich Hoppichler, Vorsitzender der unabhängigen Initiative „SIPCAN – save your life“ (Special Institute for Preventive Cardiology And Nutrition – www.sipcan.at) bestätigt die Analysen der Arbeiterkammer: „Die Situation in Kantinen oder Betriebsküchen, aber auch Einrichtungen wie Spitälern und Heimen ist oft ähnlich.“ SIPCAN setzt mit Unterstützung von Mitteln des FGÖ ein Projekt mit 20 Wiener Schulen um, mit dem Ziel, das Ernährungsverhalten der Schüler und das Angebot am Schulbuffet bzw. der Pausenverpflegung zu verändern. „So etwas kann nur schrittweise und unter Einbeziehung aller Beteiligten geschehen. Weiters wichtig ist die Koordination durch einen außenstehenden Projektpartner wie SIPCAN, da das Schulteam allein mit den vielfältigen Aufgaben meist überfordert ist“, so Hoppichler. Natürlich sei es einfach, dem Buffetbetreiber den schwarzen Peter zuzuschieben, „nur das bringt keine Lösungen! Zudem gibt es viele, die großes Interesse am Thema haben oder konkrete Initiativen setzen.“

Die größten Umsatzbringer an Buffets, egal ob in Schule oder Betrieb, sind Produkte, die einen unausgewogenen Ernährungsstil fördern. Neue Angebote werden nur dann langfristig gut angenommen, wenn sich die Zielgruppen intensiv mit gesunder Ernährung auseinandersetzen. Gerade im Schulbereich bedeutet dies den möglichst direkten Kontakt mit verschiedensten Produkten und Zubereitungsarten, aber auch mit der Herkunft der Lebensmittel.

Workshops für Multiplikatoren

Auch im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung könnte auf die Prinzipien ausgewogener Ernährung hingewiesen werden – denkbar sind Workshops für Multiplikatoren, bei denen der Prozess der Zubereitung miterlebt wird. „So ergeben sich Effekte, die deutlich über den Bereich des Betriebes oder der Schule hinausreichen“, betont Hoppichler. Kinder und Jugendliche nehmen ihre Informationen mit nach Hause und nehmen dort Einfluss auf Auswahl und Zubereitungsart der Lebensmittel. Bei Schulprojekten werden Eltern direkt angesprochen, etwa in Form von Informationsabenden, aber auch im Rahmen von Buffets mit gesunden Produkten, die von Schülern zubereitet wurden.

„Es gibt in einigen Regionen in Schulen und Betrieben schöne Projekte zu diesem Ansatz. Aber leider sind diese oft zeitlich begrenzt und es gibt wenig Vernetzungsarbeit“, bedauert Hoppichler. Seiner Meinung nach sollte es Ansprechpartner in allen Regionen geben, die auf Basis abgesicherter personeller und finanzieller Infrastrukturen gezielte Vorhaben initiieren, begleiten und evaluieren können. „Nur so können sich nachhaltige Effekte einstellen“, meint Hoppichler.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 1 /2010

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