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Gesundheitspolitik 7. Jänner 2010

Ärztekammer fordert mehr Bewusstsein für Lärmstress

Dauerbeschallung im Job kann zu Hörschäden und Herzkreislauf-Erkrankungen führen.

„Zwangsbeschaller 2009“: Mit diesem wenig schmeichelhaften Titel zeichnen die Träger der Linz09-Kampagne „Beschallungsfrei“ vor Weihnachten die Filiale einer Handelskette aus. „Wir unterstützen jede sinnvolle Aktion, die für dieses Thema sensibilisiert“, so Dr. Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer Oberösterreich.

Zwei Drittel aller Arbeitnehmer sind mit Lärm und Geräuschquellen am Arbeitsplatz konfrontiert. Nur jeder Fünfte fühlt sich dadurch nicht belastet. Fast ebenso viele, nämlich 17 Prozent, fühlen sich „sehr stark“ oder „stark“ belastet. Die ungewollte Beschallung reicht von Maschinenlärm bis zu telefonierenden Kollegen und Hintergrundmusik in Geschäften.

„Lärm ist ein Stressfaktor, der gesundheitliche Schäden verursacht. Die Arbeitnehmer müssen so weit wie möglich davor geschützt werden. Man kann auf dieses Problem gar nicht genug aufmerksam machen. Umso mehr begrüße ich, dass das Projekt ‚beschallungsfrei’ auch kommendes Jahr fortgesetzt wird“, so Niedermoser.

Risiko für Herz und Kreislauf

Lärm erzeugt Stress. Dabei kommt es nicht nur auf die Lautstärke, sondern auch auf die Frequenz des Schalls und auf das subjektive Empfinden der Betroffenen an.

Wer unangenehmem Schall ausgesetzt ist, schüttet Stresshormone aus, die den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen und die Gefäße verengen. „Lärm versetzt den Menschen in ständige Alarmbereitschaft. Der Körper wird auch dann gestresst, wenn man die Beschallung gar nicht mehr bewusst wahrnimmt“, so Dr. Maria Mayer-Weiß, Referentin für Arbeitsmedizin bei der Ärztekammer Oberösterreich, die auch die gesundheitlichen Folgen beschreibt. „Lärm kann nicht nur zu Hörschäden führen, sondern ist auch ein Risikofaktor für Herzkreislauf-Erkrankungen. Auch Schlafstörungen und sinkende Konzentrationsfähigkeit kommen bei den Betroffenen häufig vor.“ Mayer-Weiß empfiehlt Arbeitgebern, das Thema Lärmschutz ernst zu nehmen: „Das ist nicht nur menschlich, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Zufriedene und gesunde Mitarbeiter erbringen bessere Leistungen.“

Bei Testeinkauf über 70 Dezibel

Mit dem Titel „Zwangsbeschaller 2009“ haben die Träger der Kampagne „Beschallungsfrei“, GPA-djp als Vertretung der Handelsangestellten, ÖGB und die Katholische Kirche Oberösterreich, ein Geschäft der Modekette Tally Weijl ausgezeichnet. „Bei einem Testkauf haben wir hier Schallpegelwerte zwischen knapp 73 Dezibel minimal und bis zu über 78 Dezibel gemessen“, sagte der GPA-djp-Vorsitzende Wolfgang Katzian.

www.hoerstadt.at

www.linz09.at

ÄK OÖ/PH, Ärzte Woche 1 /2010

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