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Foto: Privat
Prof. Dr. Martin Langer Oberarzt der Abteilung für Geburtshilfe und Fetomaternale Medizin, AKH Wien
 
Gesundheitspolitik 7. Jänner 2010

Unterstützung Schwangerer ist wichtig.

Es gibt – nicht nur aus meiner Sicht – eine Abstufung bei der Lösung einer Situation, in der eine Frau ein Baby nicht behalten kann/will: Die beste Lösung ist eine legale Adoptionsfreigabe, die zweitbeste eine Form der anonymen Geburt, bei der allerdings sichergestellt ist, dass ein Brief sowie persönliche Gegenstände hinterlegt werden, die dem betroffenen Kind später zumindest Grundinformationen über seine Herkunft geben. Die schlechteste Lösung ist die Babyklappe und daher kann ich der Empfehlung des Deutschen Ethikrates nur zustimmen.

Ein Grundproblem von anonymer Geburt und noch stärker der Babyklappe ist, dass jene Ursachen, die zu der Verzweiflungshandlung geführt haben, nicht bearbeitet werden können. Oft ist die Angst vor der physischen und psychischen Gewalt eines Mannes ein Auslöser.

In Wien wurde einige Zeit lang Werbung für die Babyklappe und die anonyme Geburt gemacht. Sobald diese eingestellt wurde, sind die schon vorher geringen Zahlen nochmals zurückgegangen. Viel wichtiger wäre eine breite Informationsarbeit über verschiedene Beratungsangebote sowie über die Möglichkeiten einer Adoption. Aus unserer Praxis zeigt sich deutlich: Werden schwangere Frauen in Krisensituationen gut durch GynäkologInnen, SozialarbeiterInnen und PsychologInnen unterstützt, kann der ursprüngliche Wunsch nach anonymer Geburt in eine Adoption umgewandelt werden. Das Trauma für das Kind, nichts über seine Herkunft zu wissen, wird leider stark unterschätzt.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Diskussion um Babyklappe und anonyme Geburt

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Mag. Sylvia Groth, Frauengesundheitszentrum, Graz: „Babyklappe und anonyme Geburt sind keine sinnvollen Angebote.

Von Dr. Klaus Schmitt, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde: „Jedes gerettete Kind rechtfertigt das Angebot.

Von Mag. Karin Scheele, Gesundheits- und Jugendwohlfahrtslandesrätin in Niederösterreich: „Chance auf einen gefahrlosen Eintritt ins Leben.

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