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Foto: Privat
Mag. Sylvia Groth Frauengesundheitszentrum, Graz
 
Gesundheitspolitik 7. Jänner 2010

Babyklappe und anonyme Geburt sind keine sinnvollen Angebote.

Sowohl die etwa zehn Jahre Erfahrung in Österreich als auch Studien aus Deutschland zeigen nachweisbar, dass die Institution der Babyklappe nichts bringt. Frauen in psychischen Ausnahmezuständen können so nicht erreicht werden. Und: Die Babyklappen werden kaum genutzt.

Auch die anonyme Geburt ist zu hinterfragen: Es besteht die Gefahr, dass z. B. Missbrauch, Vergewaltigung, Inzest oder sexuelle Ausbeutung verschleiert und damit letztlich der Täter geschützt wird. Noch dazu ist etwa ein Drittel der Frauen bei anonymen Geburten in Begleitung – das Wort anonym ist also unzutreffend. Es besteht das Risiko, dass Frauen von Angehörigen, Partnern oder Zuhältern gezwungen werden könnten, anonym zu entbinden. Zum anderen – und dies gilt auch für die Babyklappe – geht es um das verbriefte Recht des Kindes, seine Herkunft zu erfahren. Analysen zeigen klar, dass es traumatische Folgen haben kann, wenn Fragen zur Herkunft später überhaupt nicht beantwortet werden können. Das Argument pro Babyklappe und anonyme Geburt, jedes gerettete Kind zähle, lenkt von diesen wichtigen Themen ab und bringt keine konstruktiven Lösungen. Gefragt sind andere Maßnahmen: Dies beginnt mit einem deutlichen Ausbau an sexualpädagogischen Maßnahmen zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften sowie von Maßnahmen, die Frauen unterstützen, die sich für eine Schwangerschaft entscheiden. Es braucht auch Projekte wie unser „MIA – Mütter in Aktion“, in denen es um Auf- und Ausbau von Netzwerken in Gemeinden und konkrete Unterstützung für Schwangere sowie Mütter mit Neugeborenen geht.

Die Wahrung der Anonymität der Mutter kann sich durchaus mit dem Menschenrecht auf das Wissen um die Herkunft des Kindes verknüpfen lassen – denkbar sind entsprechende Regelungen im Adoptionsrecht.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Diskussion um Babyklappe und anonyme Geburt

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Klaus Schmitt, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde: „Jedes gerettete Kind rechtfertigt das Angebot.

Von Mag. Karin Scheele, Gesundheits- und Jugendwohlfahrtslandesrätin in Niederösterreich: „Chance auf einen gefahrlosen Eintritt ins Leben.

Von Prof. Dr. Martin Langer, Oberarzt der Abteilung für Geburtshilfe und Fetomaternale Medizin, AKH Wien: „Unterstützung Schwangerer ist wichtig.

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