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Gesundheitspolitik 6. Jänner 2010

Umfrage: Positives Zeugnis für Gesundheitssystem

Rund 94 Prozent der Österreicher sind mit dem heimischen Gesundheitssystem zufrieden. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Studie des Instituts für Strategieanalysen (ISA) im Auftrag des Gesundheitsministeriums hervor, die nun präsentiert wurde. Defizite sieht die Bevölkerung demnach vor allem bei den Wartezeiten und bei Gesundheitsinformationen. Die Befragung soll künftig vierteljährlich durchgeführt werden, Gesundheitsminister Alois Stöger will auch sein "Handeln danach ausrichten".

Die generelle Zufriedenheit der Bürger mit dem österreichischen Gesundheitssystem sei "sehr hoch", erklärte der Politologe Peter Filzmaier. "Gar nicht zufrieden" ist demnach nur ein Prozent der Bevölkerung, rund 63 Prozent äußerten sich als "sehr zufrieden", weitere 31 Prozent als "etwas zufrieden". Dieser hohe Wert umfasse alle Bevölkerungsgruppen, betonte Filzmaier, außerdem gebe es auch "kaum Abweichungen" bei Menschen mit Zusatzversicherung.

Hohe Zufriedenheit mit Hausärzten

Am meisten schätzen die Österreicher die Hausarztversorgung (77 Prozent "sehr zufrieden"), kritischer gesehen werden die Krankenhäuser. Hier sei laut Filzmaier auffällig, dass der stationäre Bereich positiver bewertet werde als der ambulante, außerdem stellten jene, die im vergangenen Jahr stationär in einem Spital behandelt worden sind, ein besseres Zeugnis aus.

Zu lange Wartezeiten

Hauptkritikpunkt am Gesundheitssystem waren zu lange Wartezeiten, etwa beim Arzt, im Krankenhaus oder auf einen Operationstermin - 45 Prozent sehen dies als Problem. Der Faktor Zeit sei ein "ständiges Thema", meinte Stöger. Man habe darauf aber bereits gesetzlich reagiert, etwa mit dem vierten Sozialrechtsänderungsgesetz, in dem u.a. Wartezeitmanagement als Kriterium für Ärzteverträge festgeschrieben sei.

Defizite erkennen die rund 1.000 Befragten auch bei der Information, nur rund 36 Prozent sind damit "sehr zufrieden". Im Hinblick darauf, dass sich mittlerweile rund 29 Prozent im Internet informieren, aber mit einem Wert von 38 Prozent doch der Hausarzt die größte Glaubwürdigkeit hat, müsse man Wege finden, wie Ärzte mehr mit diesem Medium arbeiten könnten, so Filzmaier. Stöger versicherte, man setze diesbezüglich einen Schwerpunkt und arbeite bereits daran, die Informationsmöglichkeiten zu verbessern.

Gut im EU-Vergleich

Generell werde die Entwicklung des Gesundheitssystems aber "positiv beurteilt", meinte Filzmaier. Im Vergleich mit anderen EU-Staaten schneide Österreich außerdem "sehr gut" ab, rund 73 Prozent finden die Gesundheitsversorgung hierzulande besser als in den anderen Mitgliedsstaaten.

"Überrascht" zeigte sich Stöger, dass es in der Bevölkerung ein "klares Bekenntnis" zur staatlichen Finanzierung des Gesundheitssystems gebe. Die höchsten Sparpotenziale (27 Prozent) werden laut der Studie im Verwaltungsbereich gesehen. Die Österreicher würden sich erwarten, dass die Mittel direkt für die Gesundheitsversorgung ausgegeben werden, und das effizient, so der Gesundheitsminister. Dies habe man im Krankenkassensanierungspaket, das gerade geprüft wird, auch umgesetzt.

Gegen Schließung von Spitälern

Entgegen vieler Expertenmeinungen sprachen sich rund 64 Prozent der Befragten gegen die Schließung oder Zusammenlegung von Spitälern aus. Stöger will sich das zu Herzen nehmen: "Experten für Gesundheitsfragen" seien in erster Linie die Patienten, und wenn ihnen die Standorte wichtig seien, "sind sie auch mir sehr wichtig" - im Strukturbereich gebe es aber durchaus "Optimierungsmöglichkeiten".

apa.at

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