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Foto: Privat
Dr. Katharina Kruppa Fachärztin für Kinderheilkunde und Psychotherapeutin an der Baby Care Ambulanz im Wiener Preyerschen Kinderspital
 
Gesundheitspolitik 9. Dezember 2009

Es gibt zu wenige Anlaufstellen für überlastete Eltern.

Ein „Schreibaby“ zu haben, sehen viele Eltern als Zeichen dafür, dass sie versagt haben. Sie versuchen oft lange, die Situation selbst in den Griff zu bekommen. Sie haben Angst, es könnte der Eindruck entstehen, sie würden sich nicht ausreichend um das Kind kümmern. Dabei geht es oft um Regulationsstörungen, für die eine interdisziplinäre Unterstützung wichtig wäre. Dazu kommt ein allgemeiner selbst gemachter Leistungsdruck: Entwickelt sich mein Kind so, wie es soll? Kann es alles, was ein Kind in diesem Alter können sollte? Andererseits existieren oft Ängste, das Kind durch „zu viel Nähe“ zu verwöhnen, oder alte Klischeebilder, wie etwa das, dass sich ein Kind öfters selbst in den Schlaf weinen kann. Natürlich lassen sich Kinder nicht miteinander vergleichen, Entwicklung hat immer eine individuelle Note. Der „Vergleichswettbewerb“ beginnt oft schon in der Schwangerschaft, wo auch die Frage nach dem „perfekten“ Kind deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Die Zahl jener Eltern und vor allem auch junger Mütter, die eine Unterstützung auf mehreren Ebenen bräuchten, ist im Steigen. Sie bräuchten medizinische Betreuung, psychosoziale Beratung, Stillberatung, Betreuung durch Sozialarbeiter und verschiedene therapeutische Angebote. Für Eltern von Schreibabys gibt es wenige Anlaufstellen, und diese sind überlaufen. Eine Ambulanz zu betreiben ist für Spitalsträger eigentlich ein Verlustgeschäft, zusätzliche umfassende Angebote, wie wir sie an der Baby Care Ambulanz haben, sind eine Art Luxus, dessen Wert noch zu wenig wahrgenommen wird. Dabei würde die umfassende Begleitung von Eltern mit „schwierigen Kindern“ dem Gesundheits- und Sozialsystem viel Geld sparen, da viele Probleme wie etwa in der Schule zumindest deutlich geringer ausfallen würden. n

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Hilfe für überforderte Eltern

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Claudia Reiner-Lawugger, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin, Leiterin der Spezialambulanz für Perinatale Psychiatrie des Otto-Wagner-Spitals Wien: „Das Thema Überforderung wird oft bagatellisiert.

Von Angelika Sams, leitende Hebamme am St. Johanns Spital der SALK: „Wichtig wäre Aufwertung der Hebamme.

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