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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
Viele junge Eltern haben noch nie miterlebt, wie man mit einem schreienden Baby umgeht, es wickelt und stillt. Ratlosigkeit und Überforderung sind oft die Folge.
 
Gesundheitspolitik 12. Dezember 2009

Wenig Hilfe für überforderte Eltern

Es gibt eine wachsende Zahl an schriftlichen Ratgebern für werdende oder „frisch gebackene“ Eltern. Diesen theoretischen Inputs steht ein Manko an Möglichkeiten gegenüber, die Begleitung von Kleinkindern hautnah erleben und so lernen zu können. Psychosoziale und psychiatrische Probleme werden oft zu spät erkannt.

Der Psychologe Thomas Harms, Gründer der ersten Schreibabyambulanz in Bremen, sprach bei einer Tagung des „Netzwerks Lebensbeginn“ in Salzburg von einer „massenhaften Verunsicherung der Eltern“. Ein Aspekt ist der steigende Leistungsdruck hin zu „perfekten Kindern“, und perfekt sollen sie möglichst vom Moment der Zeugung an sein.

Vielfältige Belastungssituationen

Verschiedene Rahmenbedingungen können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Eltern massive Probleme bei der Betreuung von Neugeborenen und Kleinkindern bekommen: Trennungssituationen, Probleme am Arbeitsplatz, finanzielle Schwierigkeiten, um nur einige der Hauptbelastungen zu nennen. Besonders die Zahl junger Eltern mit psychosozialen Problemen ist im Steigen, dies lässt sich auch an den steigenden Wartezeiten in entsprechenden Beratungsstellen belegen.

Bestehende Institutionen sind überlaufen und es fehlt an spezialisierten Anlaufstellen. Wobei es auch in Ballungszentren viel zu wenige niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater mit Kassenpraxis gibt – in der Millionenstadt Wien gibt es beispielsweise nur einen.

Bis zu einem Jahr Wartezeit

Stellen, die sich mit Entwicklungsdefiziten von Kindern auseinandersetzen, haben inzwischen bis zu einem Jahr Wartezeit. Viele Probleme werden so deutlich zu spät – oder gar nicht – erkannt und adäquat behandelt. Die Langzeitfolgen verursachen neben persönlichem Leid massive Kostensteigerungen bei Gesundheits- und Sozialausgaben.

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Katharina Kruppa, Fachärztin für Kinderheilkunde und Psychotherapeutin an der Baby Care Ambulanz im Wiener Preyerschen Kinderspital: „Es gibt zu wenige Anlaufstellen für überlastete Eltern.

Von Dr. Claudia Reiner-Lawugger, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin, Leiterin der Spezialambulanz für Perinatale Psychiatrie des Otto-Wagner-Spitals Wien: „Das Thema Überforderung wird oft bagatellisiert.

Von Angelika Sams, leitende Hebamme am St. Johanns Spital der SALK: „Wichtig wäre Aufwertung der Hebamme.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 50 /2009

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