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Quelle: Quelle: J. Hohenauer, B. Leeb, W. Graninger und M. Schiermer und die Arbeitsgruppe für Leistungserfassung der ÖGR; Rheumatologische Versorgung in Österreich: Angebotsanalyse für internistisch-rheumatologische Leistungen
Abb. 1: Rheumatologische Expertise im niedergelassenen Bereich.
 
Gesundheitspolitik 5. Dezember 2009

1. Österreichischer Patientenbericht rheumatoide Arthritis

In den westlichen Bundesländern gibt es viel zu wenige niedergelassene Rheumatologen.

Sieben von zehn an rheumatoider Arthritis erkrankte Patienten wünschen sich, einen Facharzt oder eine Rheuma-Ambulanz in Wohnortnähe zu haben. In Vorarlberg, Tirol, Salzburg oder Kärnten bleibt das ein frommer Wunsch, weil von einer flächendeckenden fachärztlichen Versorgung in diesen Bundesländern keine Rede sein kann. In Vorarlberg gibt es gerade einmal einen einzigen Rheuma-Arzt mit Kassenvertrag. Bis Neuerkrankte eine fachgerechte Behandlung erhalten, dauert es aufgrund der mangelnden Versorgung bis zu zwei Jahre. Angesichts eines nur dreimonatigen „Window of Opportunity“, in dem die Therapie beginnen sollte, ist diese Zeitspanne zu lang.

685 Patienten wurden für den ersten Österreichischen Patientenbericht zwischen Juli 2008 und Juli 2009 über ihre gesundheitliche- und Betreuungssituation befragt und ausgewertet. Der Fragebogen wurde von Patienten unter der Anleitung eines Mediators erstellt und von der Abteilung für Public Health (MedUni Wien) überprüft und verteilt.

Nach dem Bericht erreichen 44 Prozent der Befragten das Therapieziel Remission bzw. niedrige Krankheitsaktivität. „Das ist nicht schlecht, aber verbesserungwürdig“, betonte ÖGR-Präsident Prim. Dr. Burkhard Leeb, Vorstand der 1. und 2. medizinischen Abteilung des Landesklinikums Weinviertel, Stockerau, anlässlich der Präsentation der Untersuchung. Einer der Gründe ist, dass die Erkrankten viel zu lange auf eine adäquate Behandlung warten müssen, nicht zuletzt, weil es schon schwierig ist, überhaupt einen Untersuchungstermin zu bekommen. Betroffene warten auf einen Termin in der Spitalsambulanz im Schnitt sechs Monate lang.

Leeb betont, dass sechs von zehn Patienten in Remission oder zumindest zu niedriger Krankheitsaktivität gebracht werden könnten, wenn rasch und fachgerecht behandelt würde. Deshalb erklärte der Rheumatologe seine Absicht, als Präsident der ÖGR in Zukunft auch vermehrt standespolitisch tätig zu werden.

Weiße Flecken auf der Landkarte

Eine Studie von Ebner Hohenauer HC Consult im Auftrag der Österreichischen Rheumaliga und der ÖGR durchgeführt, erhob die Angebote für Leistungen in der Rheumatologie im niedergelassenen, krankenhausambulanten und stationären Bereich. Die Analyse wurde auf Grundlage der Rheumalandkarte 2007 (siehe Abb. 1) durchgeführt. Als rheumatologische Expertise gilt das Fach Innere Medizin mit dem Zusatzfach Rheumatologie. Nach dieser Untersuchung sind in Österreich lediglich 77 niedergelassene Internisten mit rheumatologischer Expertise ausgewiesen, davon besitzen nur zwölf einen §2-Kassenvertrag. In der Steiermark in Tirol und in Vorarlberg gibt es gar keinen solchen Kassen-Rheumafacharzt, im Burgenland überhaupt keinen Arzt mit Rheuma-Expertise. Wenn jedoch 100.000 Einwohner zwei Vollzeit-Ärzte für die Abdeckung ihres Betreuungsbedarfs benötigen,wären 142 Internisten mit Rheuma-Expertise nötig (siehe Tabelle 1,).

Die mangelhafte Versorgungslage auf Ärzteseite spiegelt sich auch in den (Un-) Zufriedenheitswerten der Betroffenen im aktuellen Patientenbericht rheumatoide Arthritis wider: Jedem vierten Befragten geht es demnach mit seiner Krankheit „eher schlecht“.

Auf die Frage, was sich in fünf Jahren bewegt haben soll, antwortet Leeb:

  • „Es sollte sich das Behandlungsergebnis verbessert haben und 60 Prozent der Patienten in Remission bzw. niedriger Krankheitsaktivität sein“.
  • „Die Zeit zwischen Krankheitsbeginn und Diagnosestellung sollte bis dahin verkürzt sein.“
  • „Die Kolleginnen und Kollegen sollten bis dahin akzeptiert haben, dass die Patienten im Management der Erkrankung eine große Rolle spielen.“
  • Es wird einen Arbeitskreis für Qualitätssicherung in der ÖRG als Vorbereitung für die Verhandlungen geben.
Tabelle 1 Strukturbedarf für Österreich,
ausgehend von einer Bedarfskalkulation im Rahmen der Studie
Stundenbedarf je 100.000 Einwohner
Vollzeitäquivalent Arzt
3.300 Stunden pro Jahr
1.620 Stunden pro Jahr
Bedarf Vollzeitäquivalente je 100.000 Einwohner zwei Ärzte
 
Einwohner Österreich über 18 Jahre 7,10 Millionen
Bedarf Vollzeitäquivalente an Rheumatologen 142 Ärzte
Quelle: J. Hohenauer, B. Leeb, W. Graninger und M. Schiermer und die Arbeitsgruppe für Leistungserfassung der ÖGR; Rheumatologische Versorgung in Österreich: Angebotsanalyse für internistisch-rheumatologische Leistungen

Inge Smolek, rheuma plus 4/2009

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