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Ziel der Qualitätssicherung ist es, aus Erfahrungen zu lernen, um mögliche Schwachpunkte auszubessern und zu beseitigen.
 
Gesundheitspolitik 1. Dezember 2009

(Mit-)Geteilte Fehler verbessern die Arbeit

Österreichweites Meldesystem soll Qualität im Gesundheitswesen steigern.

Qualität hat im Gesundheitswesen einen besonders hohen Stellenwert. Die Verbesserung und Standardisierung von Abläufen ist ein wesentlicher Beitrag zur Qualitätssicherung. Aber auch der professionelle Umgang mit Fehlern stellt einen wichtigen Faktor im gesamten Qualitätsmanagement dar. Mit einem bundesweiten Fehlerberichts- und Lernsystem soll in Österreich nun ein strukturiertes Instrument zur Erkennung und Auswertung von Fehlern etabliert werden.

 

Ziel des „Critical Incident reporting Systems“ (CIRS) ist die weitere Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung und höhere Sicherheit für den Patienten. CIRS ermöglicht die öffentliche Dokumentation von Fehlern oder Beinahe-Fehlern. Der Zugang ist über das datengeschützte Internetportal www.cirsmedical.at von den Internetseiten der beteiligten Organisationen (unter anderem Ärztekammer, Krankenpflegeverband, Patientenanwaltschaft und Österreichisches Rotes Kreuz) möglich. Alle im Gesundheitswesen tätigen Personen können hier anonym ihre jeweils eigenen Beobachtungen und Fehlermeldungen dokumentieren. Damit soll den anderen Teilnehmern im Gesundheitssystem die Möglichkeit gegeben werden, aus den geschilderten Ereignissen und den eventuell berichteten Problemlösungen zu lernen und die Erkenntnisse für sich selbst oder die Organisation umzusetzen. CIRS stellt damit eine Erweiterung der unterschiedlichen Instrumente des Risikomanagements dar.

Anonymisiert und von Experten bearbeitet

Die eingegebenen Meldungen werden nicht nur anonymisiert, sondern auch mit einem Regelwerk inhaltlich abgeglichen, sodass generelle Beschwerden und Beschimpfungen, Verunglimpfungen, pauschale Systemkritik oder Berichte vom Hörensagen unwiderruflich gelöscht werden. Die bearbeiteten Meldungen werden an „CIRS-Expertenstellen“ weitergeleitet, von wo Fachkommentare mit einem Lösungsvorschlag, eventuell inklusive einer Risikobewertung und einem Literaturhinweis nach weiterer Evaluierung durch das Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG), auf der CIRS-Internetseite veröffentlicht werden.

Die Meldung in CIRSmedical.at berührt nicht die berufsrechtlichen Melde- und Anzeigepflichten (§ 54 ÄrzteG ua). Nach der einjährigen Pilotphase soll die Akzeptanz und der Nutzen des Systems evaluiert werden, um eine breitere Umsetzung zu überprüfen. „Es geht nicht darum, Sündenböcke zu suchen“, betonte Gesundheitsminister Alois Stöger bei der Präsentation Anfang November in Wien, „sondern mit Fehlern bewusst umzugehen und aus den Erfahrungen zu lernen, um mögliche Schwachpunkte auszubessern und zu beseitigen.“

Prozessqualität – der Weg ist das Ziel

Das qualityaustria Gesundheitsforum präsentierte Anfang November in Wien Trends und Entwicklungen bei Qualitätsmanagementsystemen im Gesundheitswesen anhand konkreter Praxis-Beispiele. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf prozessorientierten Managementsystemen mit Zielgrößen in Qualität, optimaler Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Qualitätsmanagement hat mittlerweile nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in Arztpraxen Einzug gehalten.

Denn schon die Erfahrungen, die bei der Erhebung und Auswertung sämtlicher Teilprozesse und deren Ergebnissen gewonnen werden, führen zu einem größeren Bewusstsein und zur Verbesserung der Abläufe. In der Wachkomabetreuung im Geriatriezentrum am Wienerwald führte die Festlegung von Schnittstellen und Standards, Neuorganisation der Betreuungsstruktur sowie die Weiterbildung des Teams im Projekt Apalliker Care Unit (ACU) zu einer Entlastung der Mitarbeiter und damit auch zu mehr Zeit für die Patienten, berichtete Abteilungsvorstand Prim. Dr. Johann Donis.

Qualitätszertifizierung als Auszeichnung

Das intensive Bestreben von Organisationen des Gesundheitswesens, gut funktionierende Qualitätsmanagementsysteme zu etablieren, zeigt sich auch anhand der diesjährigen Gewinner des Staatspreises Unternehmensqualität, bei dem drei Preisträger aus dem Segment Gesundheit hervorgingen: die VAMED-KMB, Spezialist für Facility Management im Gesundheitswesen, das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz und die medizinische Radiologie im Landesklinikum St. Pölten.

Das AKH Wien – Universitätskliniken erhielt im Oktober die Gesamtzertifizierung, aufgrund der Komplexität der Organisation eine Herausforderung für alle Beteiligten. Die Erstzertifizierungen – 1997 an Apotheke, Zentrallabor und ärztliche Direktion verliehen – wurden gefolgt von den Direktionen für Technik, Pflege und Verwaltung sowie den Univ.-Kliniken für Radiologie, Innere Medizin 1 und Dermatologie. Als besonders erstaunliches Phänomen erkannten die Prüfer eine große Anzahl von herausragenden Projekten in verschiedensten Bereichen des Hauses, von denen außer den Betreffenden niemand wusste.

 

Quelle: Presseinformationen Quality Austria und BM für Gesundheit

Von Dr. Verena Kienast, Ärzte Woche 49 /2009

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