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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 24. November 2009

News aus Brüssel

Wider die Ungleichheiten im Gesundheitssystem

Eine EU, viele Ungleichheiten im Gesundheitssektor – so das Ergebnis einer Untersuchung von Eurostat, die bereits im Jahr 2007 durchgeführt wurde. Beispielsweise liegt der Unterschied zwischen den EU-Ländern bei der Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt bei etwa acht Jahren für Frauen und mehr als 14 Jahren für Männer. Die Säuglingsmortalität wiederum bewegt sich zwischen drei Fällen und mehr als zehn Fällen pro 1.000 Lebendgeburten. Enorme gesundheitliche Unterschiede gibt es auch zwischen sozialen Gruppen innerhalb einzelner Mitgliedstaaten: Menschen mit niedrigerem Bildungsstand, schlechterer Beschäftigungssituation oder geringerem Einkommen sterben tendenziell früher und haben eine höhere Prävalenz bei den meisten gesundheitlichen Problemen. Viele dieser Unterschiede entstehen durch vermeidbare Faktoren, wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Umstände, Qualität des Arbeitsplatzes, Umweltqualität und Angebot an Sozial- und Gesundheitsdiensten sowie gesundheitsrelevante Verhaltensweisen wie Rauchen, Trinken und Ernährung, so die Meldung der EU-Gesundheitskommission. Und: Diese Unterschiede sind teilweise noch im Ansteigen begriffen. „Ohne Gegenmaßnahmen sind hier keine Verbesserungen zu erwarten, da die derzeitige Finanzkrise eher zu einer Verschärfung der Situation führen wird, vor allem bei Gruppen, die am stärksten von der Rezession betroffen sind, wie beispielsweise Arbeitslose.“

Ende Oktober 2009 hat die Kommission daher eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die die Mitgliedstaaten bei der Verringerung dieser Unterschiede unterstützen sollen. Der Fokus liegt vor allem auf verbesserten Kenntnissen in diesem Bereich, eine bessere Überwachung und Datenerhebung und wie die EU besser mit Ländern, Regionen und anderen Akteuren zusammenarbeiten kann. Mehr Gewicht muss auch auf die Bedürfnisse benachteiligter Gruppen gelegt werden, zum Beispiel bei der Bereitstellung von Gesundheitsdienstleistungen, bei der Gestaltung der Gesundheitsförderung und des Gesundheitsschutzes sowie bei der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Die EU wird außerdem regelmäßige Statistiken über das Ausmaß der Ungleichheiten innerhalb der EU sowie über erfolgreiche Strategien zum Abbau dieser Diskrepanzen veröffentlichen und die einzelnen Länder dabei unterstützen, EU-Mittel zur Verbesserung der Gesundheit der am stärksten benachteiligten Gruppen zu nutzen – etwa bei der Akutversorgung, bei sanitären Anlagen sowie bei der Erneuerung von Wohnraum. Ein erster Fortschrittsbericht wird 2012 erstellt.

Hoher Standard für alle

„Unabhängig von ihrem Wohnort oder ihrem sozialen und ethnischen Hintergrund sollen alle Bürger die Chance auf einen hohen Gesundheitsstandard haben – und dafür brauchen wir ein politisches Querschnittskonzept auf europäischer sowie auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene“, erklärte dazu die Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. Und der EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit Vladimir Spidla ergänzte: „In diesen Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit ist es von entscheidender Bedeutung, dass die EU ihre Rolle zum Schutz der Gesundheit der gesamten Bevölkerung, insbesondere aber der besonders Benachteiligten, wahrnimmt.“

 

 Weitere Informationen über gesundheitliche Ungleichheiten

http://ec.europa.eu/health/ph_determinants/socio_economics/socio_economics_en.htm

 

Hintergrundinformation:

http://ec.europa.eu/health/ph_determinants/socio_economics/documents/com2009_background_en.pdf

 

Liste der Projekte:

http://ec.europa.eu/health/ph_determinants/socio_economics/documents/project_list_en.pdf

 

Zusammenfassung:

http://ec.europa.eu/health/ph_determinants/socio_economics/documents/com2009_sum_en.pdf

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