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Dr. Thomas Czypionka Gesundheitsökonom am Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien
 
Gesundheitspolitik 24. November 2009

Anstieg der Spitalskosten muss differenziert betrachtet werden.

Manche der Zahlen, die zu den Spitalskosten derzeit publiziert werden, sind sicher übertrieben. So kann sicher nicht von einer Verdopplung der Kosten in den letzten zehn Jahren die Rede sein. Ein weiterer Punkt: Der Anteil der Kosten, für den die Länder verantwortlich sind, wird auch zu hoch angesetzt, denn es werden etwa Selbstbehalte, Beiträge der Gemeinden, der Orden als Spitalsträger, aus Privatversicherungen und des Bundes nicht berücksichtigt.

Die Wachstumsrate der Spitalendkosten hängt sehr stark mit der Preisentwicklung der letzten Jahre zusammen. Es gab zwar tatsächlich 2008 eine stärkere Steigerung als in den Vorjahren – ein Plus von 6,67 Prozent gegenüber dem Vorjahr –, aber auch eine seit langem nicht mehr dagewesene Inflation. Diese wirkt sich einerseits durch Verteuerung der direkten Sachausgaben, aber auch über die kalkulatorischen Anlagekosten aus und zudem über die sehr großzügige Lohn- und Gehaltsentwicklung. Weitere Gründe für den Anstieg der Spitalskosten sind demographische Effekte – die Bevölkerung wächst und altert – und medizintechnologische Entwicklungen. Weiters festzuhalten ist, dass sich die Steigerungen der Medikamentenkosten seit einiger Zeit deutlich stärker entwickeln.

Sollte aus der insgesamt hohen Steigerung der Spitalskosten im Jahr 2008 allerdings ein Trend werden, wäre das sehr besorgniserregend.

Wichtiger ist, dass es offenbar bisher nicht gelungen ist, die Effizienz im Spitalswesen zu erhöhen, wodurch die realen Steigerungen moderater ausfallen würden. Neben der jederzeit machbaren technischen Effizienzsteigerung bleiben auch weiter Reformen aus, die die allokative Effizienz zu erhöhen – Stichwort Finanzierung aus einer Hand.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Der unaufhaltsame Anstieg der Spitalskosten

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Bernhard Schwarz, Leiter des Karl-Landsteiner-Instituts für Ökonomie: „Bessere Planung der Angebote der Spitäler ist nötig.

Von Dr. Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte: „Finanzierung ambulanter Leistungen aus einem Topf würde Spitäler entlasten.

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