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Gesundheitspolitik 12. November 2008

Der Tierschutz kommt zu kurz

Sensible Delfine werden als Arbeitstiere herangezogen.

Die Therapie mit den Meeressäugetieren wird häufig im Umfeld eines „Delfinariums“ angeboten. Die Wildtiere müssen dort auf für ihre Verhältnisse viel zu engem Raum leben. Dabei stehe nicht der Schutz der Lebewesen, sondern die Gewinnmaximierung im Vordergrund, klagen Tierschützer.

 

Dass Delfine kranken Menschen freiwillig helfen, sei ein Mythos. Gerade auf engem Raum versuchten Delfine eher auszuweichen, sagt Karsten Brensing von der Organisation „Whale and Dolphin Conservation Society“ (WDCS): „Der Kontakt mit Menschen wird mit der Fütterung, also einer unmittelbaren Belohnung, verknüpft.“

Auch wenn es einzelne Anbieter gibt, bei denen Delfine zumindest in einer lagunenähnlichen Umgebung oder in freiem Meer leben: „Oft sind Forschung und Therapie sehr eng mit kommerziellen Interessen verknüpft.“ Für eine zweiwöchige Delfintherapie sind 6.000 Euro und mehr zu bezahlen. Dazu kommen noch die Kosten für Flug und Aufenthalt für die Begleitperson. „In den vergangenen Jahren gab es eine deutlich stärkere Medienpräsenz verschiedenster Anbieter“, berichtet der Biologe. Mit der – nachvollziehbaren – Verzweiflung von Eltern von Kindern mit schwersten Behinderungen, die oft schon sehr viele Stationen durchlaufen haben, würden Geschäfte gemacht. Immer mehr Delfine würden gefangen und teils über tausende Kilometer transportiert.

Auch zu Lasten der Gesundheit der Tiere: „Die Analysen zeigen, dass sie in Delfinarien häufig krank sind und früher sterben. In den beengten Verhältnissen und durch den ständigen teils intensiven Kontakt mit Menschen kann es auch zu aggressivem Verhalten der Tiere kommen.“ Zu wenig geklärt sei auch, ob sich Tier und Mensch nicht gegenseitig mit Krankheiten anstecken könnten.

Stichwort Delfintherapie

In den 60er- und 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts eroberte ein ungewöhnliches Tier die TV-Bildschirme: Flipper. Ein Delfin, der alle nur denkbaren Probleme seiner menschlichen „Freunde“ löste und noch dazu ein – fast unerträglich – liebreizender Gefährte war. Ebenso in den 70er-Jahren entstand in den USA die „Dolphin Assisted Therapy“ (DAT), die Delfintherapie. Profitieren sollen vor allem Menschen mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen. Auch Personen mit Hör- und Sehstörungen sowie Problemen in der Sprachentwicklung, mit Depressionen, Essstörungen, posttraumatischen Symptomen (auch nach sexuellem Missbrauch), Depressionen, Krebs und generell chronischen Schmerzen.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher,
Journalist, Trainer & Berater, Ärzte Woche

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