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Gesundheitspolitik 12. November 2008

E-Card mit neuen Features in Diskussion

Zusätzliche Funktionen könnten Mehrkosten für Ärzte bringen.

4,6 Millionen E-Cards müssen 2010 neu ausgestellt werden. Was die neue Karte alles enthalten und können soll, darüber gehen die Meinungen auseinander.

 

Die Europäische Krankenversicherungskarte auf der Rückseite der E-Card ist bei Karten, die 2005 ausgestellt wurden, fünf Jahre gültig. Wenn jemand zum Zeitpunkt der Ausgabe Pensionist war, bleibt sie zehn Jahre gültig. 4,6 Millionen neue E-Cards werden 2010 automatisch versandt, die alten Karte gesperrt.

Auf Leistung getrimmt

Optisch ändert sich an der neuen Version nichts, aber: „Die Leistungsfähigkeit des Chips auf der E-Card wird erheblich verbessert“, kündigt Dr. Erich Laminger, Vorsitzender des Hauptverbandes der Sozialversicherungen an. Theoretisch können dort dann mehr Daten gespeichert werden. „Die E-Card wird kein ‚Wunderding‘ – die Hauptfunktion bleibt die eines Schlüssels“, unterstreicht Laminger. Dieser kann künftig genau festgelegten Personengruppen den Zugriff auf gespeicherte Gesundheitsdaten ermöglichen.

Die E-Card als Schlüssel soll beispielsweise das System der Überweisungen verändern. Der Arzt greift auf den E-Card-Server zu und speichert dort eine elektronische Überweisung ab, diese ist dann für einen vom Patienten gewählten Facharzt abrufbar. Danach wird der Datensatz gelöscht.

Viele Ärzte nehmen nicht an, dass dies eine Arbeitsentlastung für sie bringt: „Auf die bestehende Zettelwirtschaft wird eine elektronische Parallelwelt aufgesetzt – der Aufwand erhöht sich“, befürchtet etwa Dr. Günther Wawrowsky, Obmann der niedergelassenen Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer. Das Ziel sei lediglich, den enormen Aufwand des Auf- und Ausbaus des E-Card-Systems zu rechtfertigen.

Laminger kontert, dass schon jetzt die meisten Ärzte mit ihrer Praxis-EDV Daten für die Überweisung erstellen, die den Anforderungen der E-Überweisung entsprechen: „Wird zusätzlich die Patienteninformation auf ein gewöhnliches Blatt ausgedruckt, ist das eine Serviceleistung.“ Der Aufwand für den Arzt sänke, da weniger Formulare gehortet werden müssten. Dazu erinnert Wawroswky daran, dass etwa in Niederösterreich die Zeiten der vielen verschiedenen Formulare durch Vereinbarungen mit den Kassen längst vorbei sind. Ähnlich sieht dies in Oberösterreich aus, wie der Bezirksärztesprecher von Gmunden Dr. Günther Berkenhoff berichtet. In dieser Region wird neben Tirol die E-Überweisung derzeit getestet. „Für den Allgemeinmediziner bringt diese keinerlei Vorteile, nach wie vor braucht es die schriftliche Information für den Patienten.“ Er ist sich mit Wawrowsky einig, dass hauptsächlich Nachteile entstehen, vor allem in finanzieller Hinsicht. „Jede Zusatzfunktion der E-Card erfordert den Erwerb eines Zusatztools für die Praxis-EDV – die Ausgaben dafür muss der Arzt tragen“, erklärt Wawrowsky.

Info an Arbeitgeber

Eine Entlastung des Arztes würde – so sieht es zumindest der Hauptverband – durch die spätestens ab 2010 mögliche elektronische Form der Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit sowie der Gesundschreibung kommen. Ohne Zugriff auf die Diagnose zu haben, können schon heute Arbeitgeber online erheben, wer im Krankenstand ist. Schon ein Jahr vorher wird die E-Card zum Schlüssel für die dann verpflichtend auf elektronischem Weg zu versendenden pseudo-anonymisierten Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen. Laminger erhofft sich so Vorteile auch für einen dann wesentlich unkomplizierteren epidemiologischen Vergleich der Daten.

Dass Daten auch von ärztlichen Tätigkeiten stärker unter die Lupe genommen werden, befürchtet Berkennhoff: „Schon bei den Protestkundgebungen der Ärzteschaft wurde kontrolliert, wer sich beteiligte und wer nicht. Nun könnte es auch um eine Überwachung der Kommunikation zwischen Ärzten gehen.“

Teure Fotos

Seit Jahren machen die angeblichen Missbräuche der E-Card die Runde durch die Medien. „Würde es diese in dem von manchen Politikern und Ärztevertretern behaupteten Ausmaß geben, müsste sich dies in unseren Daten widerspiegeln“, sagt Laminger. Ein Missbrauch im Einzelfall sei nie auszuschließen, ein Arzt, der unsicher über die Identität eines Patienten ist, könne schon jetzt laut Gesamtvertrag die Vorlage eines Ausweises verlangen.

Trotzdem wird von verschiedenen Seiten ein Foto auf der E-Card gefordert. Basierend auf Erfahrungen aus Deutschland werden alleine die Kosten für die Fotologistik auf 18 Millionen Euro geschätzt. Theoretisch denkbar wäre ein Zugriff auf das Archiv der Bilder, die sich in Führerscheinen und Reisepässen finden – „aber erstens scheint dies vorerst aus Überlegungen des Datenschutzes blockiert zu sein und zweitens gibt es dort nicht von allen E-Card-Besitzern ein Foto.“ Die Organisation der fehlenden Fotos und die eindeutige Zuordnung zum Versicherten würde einen erheblichen administrativen Aufwand verursachen. n

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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