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Foto: Privat
Dr. Reli Mechtler Leiterin der Abteilung Gesundheitssystemforschung am Institut für Pflege- und Gesundheits-systemforschung der Johannes Kepler Universität Linz
 
Gesundheitspolitik 17. November 2009

Vernetzung klingt gut, braucht aber vertragliche Absicherungen.

Zunächst ist der Begriff Gesundheitszentrum sehr besetzt – es gibt viele Angebote im Wellnessbereich mit dieser Überschrift. Eine zentrale Frage ist: Von wo geht die Initiative dazu aus? Geht es um die Optimierung der klinikinternen Ressourcen und Abläufe sowie um die Sicherung des Behandlungsspektrums? Oder um eine ernst gemeinte intensive Kooperation mit Niedergelassenen, die entsprechend vertraglich und auch von der Seite der Abrechnung her abgesichert ist?

Ein Grundproblem in der Spitalsstruktur ist die Anonymität. Patienten werden leicht zur Nummer, eine individuelle Betreuung kommt in vielen Aspekten zu kurz. Weiters fehlt meist die Möglichkeit, sich einen Arzt des Vertrauens zu suchen.

Ein Blick auf Deutschland: Dort gibt es das Konzept der medizinischen Versorgungszentren mit entsprechender Rechtsform, die relativ eng an Spitäler angebunden sind, aber auch Leistungen von niedergelassenen Gesundheitsanbietern zukaufen, die vor Ort erbracht werden. Auch hier stellt sich die Frage, ob es hauptsächlich darum geht, die Patientenströme weiter stark in Richtung Spital zu lenken und dessen Standort zu sichern. Natürlich könnten im Spital Kurse für Diabetiker oder zur Raucherentwöhnung stattfinden. Letztlich ist das Thema Prävention jedoch eines, das seinen Ausgangs- und Angelpunkt im niedergelassenen Bereich hat. Sicher sinnvoll wäre das Vorantreiben von Konzepten der gemeinsamen Patientenakte, um die optimale Betreuung über die Schnittstellen hinaus sicherzustellen. Verwaltet werden müsste diese vom niedergelassenen Allgemeinmediziner, der die primäre Anlaufstelle bleiben muss. Spezialisten aus dem Spital könnten durchaus in Programme in den Regionen stärker eingebunden und ebenso gerade im Entlassungsmanagement das Expertenwissen extramuraler Gesundheitsdienstleister viel früher genutzt werden.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Angst vor "Schreckgespenst" Allgemeine Versorgungszentren

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Bettina Vollath, Gesundheitslandesrätin Steiermark: „Die Entwicklung der Gesundheitszentren erfolgt schrittweise.

Von Dr. Wolfgang Routil, Vizepräsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft: „Was ambulant machbar ist, soll auch dort bleiben

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