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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. Sie ist Medizinerin und Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 10. November 2009

News aus Brüssel

HIV/Aids-Bekämpfung 2009-2013: Fokus auf Jugendliche und Migranten

In der Europäischen Union und den Nachbarländern leben 2,2 Millionen Menschen mit HIV/Aids, ungefähr 730.000 sind es allein in der EU. Nun wurde eine neue Strategie gegen die Immunschwächekrankheit für den Zeitraum 2009-2013 beschlossen. Denn bei 50.000 allein im Jahr 2007 neu diagnostizierten HIV-Fällen könne „keine Atempause im Kampf gegen HIV eingelegt werden“, betont EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou.

Die Strategie legt den Schwerpunkt auf drei Hauptaspekte: HIV-Prävention und -Testung, mit dem Hauptaugenmerk auf HIV-Hochrisikogruppen und -Hochrisikoregionen. Die allgemeinen Ziele dieser Strategie sind:

  • die Verringerung der HIV-Neuinfektionen in allen europäischen Ländern bis 2013,
  • die Gewährleistung eines verbesserten Zugangs zu Prävention, Behandlung, Versorgung und Unterstützung sowie
  • die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen, die in der Europäischen Union und ihren Nachbarländern mit HIV/Aids leben, davon betroffen oder besonders gefährdet sind.

Alle Schlüsselakteure – also sowohl nationale Behörden als auch Nicht-Regierungsorganisationen – werden aufgefordert, die allgemeine Aufklärung zu verbessern. Im Fokus stehen besonders Jugendliche und Migranten aus Ländern mit hoher HIV-Prävalenz, diese konnten bislang nicht ausreichend durch Informationskampagnen erreicht werden. Alle Maßnahmen sollen zudem „gezielter“ auf die Achtung der Menschenrechte sowie die Bekämpfung von Diskriminierung und Stigmatisierung in Zusammenhang mit HIV/Aids ausgerichtet sein.

Vernetzung ist wichtig

Ein weiteres Thema ist die Vernetzung zwischen der EU und ihren Nachbarländern. Da in den Nachbarländern die Zahlen der HIV-Infektionen besonders hoch sind, ist der Austausch bewährter Verfahren zu Prävention, Testung, Behandlung und Versorgung umso wichtiger – vor allem angesichts der knappen finanziellen Mittel. Die Zusammenarbeit und der Knowhow-Transfer von Ärzten, Pflegepersonal und Fachleuten des Gesundheitswesens sowie der Austausch von Qualitätsdaten sollen dazu beitragen, „die evidenzbasierte Prävention, Testung und Behandlung sowie die Überwachung in den Nachbarländern zu verbessern“, heißt es in dem Strategiepaper.

Die Kommission weist auch – erneut – darauf hin, dass der Epidemie am wirksamsten mit Maßnahmen begegnet werden kann, die auf die Hochrisikogruppen zugeschnitten sind. In Europa sind dies Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten, die nahezu 40 Prozent aller Neuinfektionen in der EU ausmachen, Migranten aus Gebieten mit hoher Prävalenz und intravenös injizierende Drogengebraucher, bei denen bis zu 70 Prozent aller Neuinfektionen in den EU-Nachbarländern festgestellt wurden. „Zielgruppengerechte Konzepte sind für eine Eindämmung der Epidemie in Europa wesentlich“, so Vassiliou.

 

http://ec.europa.eu/health/ph_threats/com/aids/aids_en.htm

http://ec.europa.eu/health-eu/health_problems/hiv-aids/index_de.htm

Dr. Lydia Unger-Hunt, Ärzte Woche 46 /2009

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