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Gesundheitspolitik 10. November 2009

Mehr rechtliche Sicherheit für Famulanten

Medizinstudenten waren bisher bei Spitalspraktika oft auf sich alleine gestellt und erhielten wenig strukturierte Begleitung oder Unterstützung.

Mit der kürzlich beschlossenen 12. Ärztegesetznovelle tritt eine gesetzliche Regelung in Kraft, die Famulanten erlaubt, unter Aufsicht eigenständig medizinische Tätigkeiten auszuüben. Diese Änderung könnte auch dazu beitragen, den Weg in Richtung Approbation unmittelbar zu Studienabschluss sowie zur Umsetzung der Pläne zum Facharzt für Allgemeinmedizin im Ausbildungs- und Turnussystem zu ebnen.

 

„Bislang gab es teils große Unsicherheiten, was rechtlich gedeckt ist und was nicht – wichtig ist, dass die Novelle auch Auswirkungen für die konkreten Abläufe der Famulaturen hat“, erklärt Georg Pirker, Vorsitzender der ÖH Med Graz. Seit Implementierung des neuen medizinischen Curriculums müssen Famulanten ein klinisches Logbuch führen, in dem Zeitraum, Ort, Betreuende, Ablauf, Tätigkeiten und Erlerntes chronologisch dokumentiert werden. „Allerdings gibt es noch immer viele Abteilungen, an denen die Logbücher ohne detaillierte Analyse vom Primararzt oder Abteilungsleiter unterschrieben werden“, kritisiert Dr. Julia Baumgartner, eine Sprecherin der „Jungen Allgemeinmedizin Österreich“, einer Teilorganisation der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Ähnliches sei auch immer wieder bei den Rasterzeugnissen der Turnusärzte der Fall.

Fehlende Bildungskultur

Baumgartner kritisiert, dass es an vielen heimischen Spitalsabteilungen nach wie vor an Bewusstsein und Bildungskultur fehle: „Manchmal gibt es zwar Bildungsbeauftragte, diese sind jedoch oft für Famulanten oder Turnusärzte schwer zu finden. Teilweise kommt auch die lapidare Rückmeldung, dass Papier eben manchmal geduldig sei und die Realität anders aussehe.“ Sehr unklar sei zudem, was mit den Bewertungen der Abteilungen geschieht, die Famulanten und Turnusärzte zum Abschluss abgeben müssen. Ein häufig strapaziertes Argument bei schlechten Rückmeldungen ist die Personalknappheit.

„Famulanten werden häufig von Turnusärzten eingeführt oder begleitet – also von jenen, die eigentlich selbst lernen und Erfahrungen sammeln sollen“, berichtet Baumgartner. Pirker kritisiert ebenso, dass die Betreuung viel zu stark vom Zufall abhänge, nennt jedoch auch ein positives Beispiel: „In Graz gibt es gute Erfahrungen an der Klinik: Einmal wöchentlich findet ein strukturiertes Gespräch für/mit Famulanten statt, Ärzte werden für Begleitungsaufgaben zusätzlich freigestellt.“

Wünschenswert wäre – egal ob eine Famulatur im intra- oder extramuralen Bereich abläuft – aus Baumgartners Sicht zunächst die Differenzierung, ob es sich um die erste Famulatur oder die letzte handelt. „Am Beginn steht sicher das Kennenlernen der Abläufe und der grundlegenden Techniken im Vordergrund. Famulanten sollen jedenfalls nicht als Systemerhalter eingesetzt werden, die nach kurzer Einführung für Basisarbeiten oder administrativen Tätigkeiten abgestellt werden.“ In der letzten Famulatur müsse eigenständiges Arbeiten forciert werden, gerade auch angesichts der Pläne für die Vorverlegung des Zeitpunkts der Approbation. „In strukturierten Einführungsgesprächen sollte geklärt werden, was ein Famulant bereits kann, was eine Abteilung bieten kann und wie die Lernziele genau aussehen.“

Von einer kursatorischen Auflistung von Inhalten, die abgehakt werden, hält Baumgartner wenig, gehe es doch auch um das Finden des eigenen Schwerpunkts. Am Ende der jeweiligen Famulatur müsse verstärkt die Evaluation stehen, wobei die Außensicht der Famulanten als wertvolle Impulse für mögliche Schwachstellen und Fehlerquellen in den täglichen Abläufen und Strukturen genutzt werden sollten. Auch Dr. Katharina Gordon, Turnusarztvertreterin auf Bundesebene, spricht sich für eine stärkere Strukturierung und gemeinsame Planung der Famulatur aus: „In anderen Staaten hat das Thema Bildung im Spital einen viel höheren Stellenwert. Es braucht auch eine Anerkennung der Lehrenden und nicht, dass diese einfach einen Titel ‚umgehängt‘, aber keine zeitlichen oder strukturellen Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen.“ All diese Aussagen würden auch für Praktika gelten.

Pirker wünscht sich grundsätzlich, dass Famulanten nicht als Belastung oder Belästigung wahrgenommen werden, sondern ihre Anwesenheit als Chance genutzt wird. „In der Grazer Pflichtfamulatur zeigt sich nach anfänglicher Skepsis etwa, dass die Allgemeinmediziner die Studenten als Entlastung sehen bzw. als Personen, die spannende Impulse einbringen.“

Kasten:
Stichwort Famulatur
In Wien sind 18 Wochen, in Innsbruck 12 Wochen und in Graz insgesamt 21 Wochen Pflichtfamulatur für Medizinstudenten festgelegt. An allen Standorten sind dabei Famulaturen an einer Abteilung für Innere Medizin und einer chirurgischen Abteilung zu absolvieren. Weiters sind je eine Famulatur auf der Pathologie und in „einer Einrichtung der Primärversorgung“ vorgeschrieben, wobei es sich hier oft um eine Spitals-Notfallaufnahme handelt. Eine Ausnahme besteht für Studierende in Graz: Hier läuft ein Pilotprojekt mit viereinhalb Wochen Pflichtfamulatur beim Allgemeinmediziner, die auch in Kärnten oder Oberösterreich erfolgen kann. Die verbleibenden Wochen sind frei wählbar, wobei empfohlen wird, diese in Bereichen wie Neurologie, Orthopädie (auch in Rehabilitations-Einrichtungen), Unfallchirurgie oder Kinderheilkunde zu absolvieren.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 46 /2009

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