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Dr. Christoph Reisner Präsident der Niederösterreichischen Ärztekammer
 
Gesundheitspolitik 10. November 2009

Viele Ärzte begrüßen den Ausstieg aus „Therapie Aktiv“.

Wir haben lange diskutiert, ob wir dieses von Verwaltung und Bürokratie geprägte DMP-Projekt weiterführen sollen. So wie „Therapie Aktiv“ angelegt ist, bringt es keinen Nutzen für die Patienten – hier geht es nicht um einen kammerinternen Kleinkrieg, sondern um Sachargumente. Ich verstehe die riesige Aufregung um die Kündigung nicht. Wir haben einen Vertrag innerhalb der vorgesehenen Frist gekündigt, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr passten – ein normales Vorgehen in einem Rechtsstaat.

Wir wollen verhindern, dass künftig nur mehr „Spezialisten“ bestimmte Behandlungen durchführen dürfen. Dringend nötig wäre die Adaptierung der Leistungspositionen für die Behandlung von Diabetikern in den Kassenverträgen. Momentan werden mehr als 90 Prozent der Diabetiker in Niederösterreich im DMP nicht erfasst – von einer Verbesserung der Versorgung kann keine Rede sein.

Hunderte niedergelassene Ärzte setzten sich ausführlich mit den DMP-Bedingungen auseinander und kamen nun zum Schluss, dass so ein Konstrukt keinen Sinn ergibt. Nach zwei Jahren Laufzeit ist nach wie vor nur eine Minderheit der niedergelassenen Ärzte im Programm. Die Gefahr besteht, dass hierzulande wie bereits in Deutschland immer weitere Disease-Management-Programme in das ärztliche Berufsleben drängen. Für immer mehr Teilgebiete drohen nötige Sonderqualifikationen. Jedes neue DMP zieht die Ärzteschaft tiefer in den Strudel der Gesundheitsbürokratie. Auch darum unterstützen viele Ärzte den Ausstieg aus „Therapie Aktiv“.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Neue Diskussion um Disease Management Programm Diabetes

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Anna Mayer, Bundesvorsitzende der Österreichischen Diabetikervereinigung (ÖDV): „Ärzte weisen viel zu wenig auf die Vorteile von "Therapie Aktiv" hin.

Von Dr. Raimund Weitgasser, Vizepräsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft: „Analysen von "Therapie aktiv" zeigen Wichtigkeit des DMP

Von Dr. Johann Jäger, Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich: „Eigentlich gäbe es keinen Grund zur Kündigung des DMP.

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