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Foto:www.meduniwien.ac.at
Prof. Dr. Peter Pietschmann Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie
 
Gesundheitspolitik 3. November 2009

Möglichkeiten der Präventivmedizin werden noch kaum genutzt.

Auf dem Kongress der „International Association of Gerontology and Geriatrics“ (IAGG) wurde jüngst berichtet, dass Menschen der Baby-boomer-Generation, die in das Pensionsalter kommen, teils kränker sind als Menschen, die ein oder zwei Generationen früher lebten.

Kulturhistorisch gesehen wurden „Alte“ als Weise betrachtet, zu denen aufgesehen werden kann und soll. Gleichzeitig gab es schon immer die Sichtweise, es handle sich bei Senioren um eine „bedürftige“ Generation, die in gewisser Weise eine Belastung darstellt.

Ein Problem ist sicher, dass die Möglichkeiten zur Prävention nicht ausgeschöpft werden – teilweise stehen wir ganz am Anfang. Ein Beispiel ist die Osteoporose: Aktuelle Studien zeigen deutlich die Wirksamkeit rechtzeitiger (medikamentöser) Behandlung – trotzdem wird nur ein kleiner Anteil der Erkrankten behandelt. Auch bei Patienten mit Bluthochdruck wird etwa die Hälfte der Betroffenen nicht als möglicher Problemfall erkannt. Aber selbst wenn, bekommen viel zu viele keine oder keine adäquate Behandlung!

Ein gesundheitspolitisch wichtiger Schritt wäre die Schaffung eines Facharztes bzw. Additivfacharztes für Geriatrie – eben um auf die Bedürfnisse und die spezielle Situation dieser Patientengruppe noch besser reagieren und eingehen zu können.

Multidisziplinäre Zusammenarbeit wird leider zu wenig gefördert. Der Geriater übernimmt zwar koordinierende Tätigkeiten, kann aber unmöglich alles selbst abdecken. Ein positives Beispiel sind die akutgeriatrischen Abteilungen, die es an einigen Spitälern gibt. Ein gemeinsames multidisziplinäres Assessment und Vorgehen ist dort Standard.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Alter per se ist keine Krankheit

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Prof. Dr. Christoph Gisinger, Medizinischer Leiter, Haus der Barmherzigkeit in Wien: „Wer alt ist, ist nicht automatisch geriatrisch.

Von Prof. Dr. Bernd Seeberger, Leiter des Instituts für Gerontologie und demografische Entwicklung der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik in Innsbruck: „Aufwertung der Schlüsseldisziplin Gerontologie nötig

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