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Prof. Dr. Bernd Seeberger Leiter des Instituts für Gerontologie und demografische Entwicklung der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik in Innsbruck
 
Gesundheitspolitik 3. November 2009

Aufwertung für Schlüsseldisziplin Gerontologie nötig

Der demografische Wandel erfolgt schleichend, unsichtbar und lautlos. „Alter“ sieht heute ganz anders aus als vor zwei oder drei Jahrzehnten: Alter ist weiblich sowie singulär und existiert abseits von Arbeitsprozessen – Österreich leistet sich im Europavergleich die jüngsten und bestbezahlten Pensionisten.

Ich orte eine Gerontophobie – alle wollen möglichst lange leben, aber nicht alt sein, da dieser „Zustand“ als negativ wahrgenommen wird. Massiv unterschätzt, auch von Hausärzten, wird das Problem der Altersdepression.

Die Alterssuizidalität verzeichnet stark steigende Zahlen – auch aufgrund von Singularisierung, Sinnentleerung, Vereinsamung und dem generellen Gefühl, nutzlos zu sein. Ebenso immer wieder heruntergespielt wird das zunehmend stärker anzutreffende Phänomen der Alkoholabhängigkeit von Menschen über 60. Jeder Mensch altert anders, meist so, wie er oder sie bisher gelebt hat – Altern heißt, das gelebte Leben weiterleben, mit der Akzeptanz von Einschränkungen. Altern ist aber auch ein Reduzierungsprozess, der von der Gesellschaft vorgenommen wird.

Das Phänomen Alter müsste viel genauer erforscht werden – es gibt unter anderem kaum Forschung zum Lebensort Alters- und Pflegeheim. Nur sehr kleine Ansätze sind zudem in der Altenhilfesystemforschung zu finden – so sagen zwar viele, dass die ambulante Betreuung günstiger als die stationäre ist, können aber kaum valide Daten dazu vorlegen.

Wichtig wäre, die demografische Entwicklung als Chance zu begreifen und auch Wirtschafts- sowie Sozialunternehmen dabei zu beraten und zu unterstützen. Gerontologie ist eine Schlüsseldisziplin im europäischen Sozial- und Gesundheitssystem des 21. Jahrhunderts.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Alter per se ist keine Krankheit

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Prof. Dr. Christoph Gisinger, Medizinischer Leiter, Haus der Barmherzigkeit in Wien: „Wer alt ist, ist nicht automatisch geriatrisch.

Von Prof. Dr. Peter Pietschmann, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie: „Möglichkeiten der Präventivmedizin werden noch kaum genutzt.

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