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Foto: www.aekwien.or.at
Prof. Dr. Christoph Gisinger Medizinischer Leiter des Hauses der Barmherzigkeit in Wien
 
Gesundheitspolitik 3. November 2009

Wer alt ist, ist nicht automatisch geriatrisch.

Das oft gebrauchte Wort „Überalterung“ ist ein Werturteil, dem scharf entgegenzutreten ist! Es ist ein Erfolg der Medizin, dass die Generation 70plus heute viel gesünder ist als vor 20 Jahren. Ein viel zu wenig ernst genommenes Thema ist, welche Bedeutung der Zugang zum Arbeitsmarkt sowie die damit einhergehende Sinnstiftung und Wertschätzung für Lebensqualität und Gesundheit hat. Es braucht dringend Änderungen im Pensionssystem und auch bei der Gestaltung der Gehälter: Biennalsprünge tragen dazu bei, dass Ältere aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden, weil sie für die Unternehmen zu „teuer“ werden. Gefragt sind innovative Modelle – also statt Hacklerregelung Teilzeitmodelle und die Einbeziehung der Fachexpertise von Personen, die in Pension sind.

Aktuelle Analysen, u. a. aus Dänemark, weisen darauf hin, dass die durch den medizinischen Fortschritt gewonnene Lebenszeit eher gesunde Jahre sind. Teils haben diese Menschen zwar bestimmte Leiden wie Bluthochdruck, können mit dieser bei entsprechender Unterstützung aber gut umgehen.

Dass es einen Facharzt für Geriatrie braucht, ist gar keine Frage. Geriatrische Patienten sind multimorbid, instabil, haben eine funktionelle Beeinträchtigung in Hinblick auf Mobilität, Kognition und Ausscheidungsfunktionen. Ein 90-Jähriger mit gut eingestellten Herz-Kreislaufbeschwerden muss allerdings nicht automatisch ein geriatrischer Patient sein.

Für dessen gute Betreuung braucht es multidisziplinäre Teams, die vom gemeinsam durchgeführten Pflegeassessment ausgehen. Auch in diesem Bereich gibt es auf gesundheitspolitischer Ebene noch einigen Nachholbedarf. Momentan kommt es zu einer Drehtürmedizin, weil sich niemand für diese Patientengruppe verantwortlich fühlt, mehr noch, sie als Belastung und Belästigung wahrnimmt – dazu kommen oft fehlende Fachkompetenzen.

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