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Treffen der AG Medizin am 03.11.09; zwei Kommilitoninnen betrachten die Sicherheitsbeamten, die die Hörsäle "sichern".


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Gruppenfoto; ein Teil der AG Medizin nach dem Gruppentreffen 03.11.09.

 

 
Gesundheitspolitik 3. November 2009

Studentenproteste: Was ist an der MedUni Wien los?

Die Hochschülerschaft ist gegen Hörsaalbesetzungen und für Zulassungsbeschränkungen, die neue Arbeitsgruppe Medizin erklärt sich mit den streikenden Studenten solidarisch.

Die Besetzung des Audimax an der Universität Wien hat es mittlerweile geschafft, eine nationale und internationale Diskussion über Bildungs- und im speziellen die Universitätspolitik zu entfachen. Die Ärzte Woche ging der Frage nach, welche Positionen die Studenten der Medizinischen Fakultät vertreten. Dabei zeigte sich, dass die Hochschülerschaft der MedUni Wien die Bundeshochschülerschaft nur in Teilforderungen unterstützt und sich inhaltlich auch von der frischformierten basisdemokratischen Arbeitsgruppe Medizin abhebt.

Im Zuge der Proteste gründeten die Studenten basisdemokratisch organisierte Arbeitsgruppen (AGs), eine davon ist die AG Medizin. Das aus der Feder dieser Initiative stammende folgende Statement gibt einen Überblick über die Hintergründe, Kritikpunkte und Ziele.


Stellungnahme der AG Medizin

„Die ständigen Restriktionen im Bildungssektor, fehlende finanzielle Unterstützung und ungerechte Verteilung dieser Ressourcen sowie auch die Einführung des Bachelor-/Mastersystems im Zuge des Bologniaprozesses führten an Österreichs Universitäten zu immer größer werdendem Unmut unter den Studierenden. Dieser gipfelte schließlich in einer Protestaktion, ausgehend von den Studierenden der Akademie der bildenden Künste in Wien, die mit Unterstützung ihrer ProfessorInnen Teile des Universitätsgebäudes am Schillerplatz besetzten. Um ihre Solidarität zu bekunden, wurde daraufhin das Audimax (größter Hörsaal der Universität Wien) von den Studierenden der Universität Wien besetzt. Im Schneeballeffekt weiteten sich die Protestaktionen auf andere Universitäten sowie andere Landeshauptstädte aus.

Im Zuge dieser Proteste organisierten sich die Studierenden selbst und gründeten Arbeitsgruppen (AGs) – mittlerweile gibt es um die 100 – in denen dringende Themen basisdemokratisch besprochen, aufgearbeitet und umgesetzt werden. Weiters finden zahlreiche Workshops sowie regelmäßige Plena statt, in denen die StudentInnen gemeinsam diskutieren und weiterfolgende Entscheidungen treffen.

Die AG Medizin

Einige Studierende der Medizinischen Universität Wien unterstützten die Besetzung des Audimax von Anfang an. Unabhängig von jeder politischen Fraktion und Universitätsvertretung entstand daraus die AG Medizin. Wir verstehen uns als Teil der Protestbewegung und unterstützen alle Punkte des Forderungskatalogs (siehe http://www.unsereuni.at/) unserer KollegInnen aller Universitäten solidarisch.

Im Gegensatz zu vielen Hochschülerschaften, unter anderem auch der Bundesvertretung, hat sich die Universitätsvertretung an der MUW klar gegen die Besetzung ausgesprochen und ist nur mit einigen Forderungen der Proteste einverstanden. (www.uv-medizin.at, Stand: 31. Oktober 2009) Dies war für uns ein Mitgrund, uns an dem Protest zu beteiligen und eine gemeinsame AG zu gründen. Bisherige Aktionen beliefen sich auf regelmäßige Treffen, in denen aktuelles Geschehen, Ziele und Intentionen gesammelt und diskutiert wurden sowie die Teilnahme an der Großdemonstration am Mittwoch, den 28. Oktober. Beschlossen wurden die Einrichtung einer Kommunikationsplattform sowie die Beteiligung an weiteren Aktionen im Rahmen der Studentenproteste in Österreich.

Forderungen der Medizin AG

Die AG Medizin tritt für einen besseren Zusammenhalt unter den Medizinstudenten sowie für die Stärkung der trans- und interuniversitären Gemeinschaft aller Studierenden ein. Sie fordert „Bildung, nicht nur Ausbildung“, mehr Flexibilität und individuelle Studiengestaltung. Damit wird das derzeit stark verschulte Medizincurriculum kritisiert, in dem eine Entwicklung mündiger und kritischer Mediziner nach Meinung der AG nicht möglich sei.

Weitere Kritikpunkte stellen das geringe Mitspracherecht im inhaltlichen und strukturellen Aufbau des Curriculums sowie die inadäquate Verteilung und Prioritätensetzung finanzieller Ressourcen im Bildungs- und Sozialwesen dar.

Wir halten die aktuellen Aufnahmebedingungen für inakzeptabel und diskriminierend, sind uns aber der Problematik des unbeschränkten Zugangs an den medizinischen Universitäten bewusst und fordern daher europaweit massive Aufstockungen des Studienplatzangebots.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, für einen offenen und demokratischen politischen Diskurs an der MUW einzustehen und diesen auch längerfristig weiterzuführen und voranzutreiben. Am 30. Oktober hat sich der Gewerkschaftliche Arbeitskreis kritischer Universitäten (GAKU), bestehend aus Teilen des Mittelbaus der MedUni Wien (ProfessorInnen, ÄrztInnen, PhysikerInnen, wissenschaftliche MitarbeiterInnen, u.a.) mit der AG Medizin und den Protesten solidarisiert."

Pro
Von Mathis Godbersen, AG Medizin

Als dankbarer, deutscher „Gaststudent“ beteilige ich mich an den Demonstrationen, denn die angesprochenen Probleme sind größtenteils europäische Probleme. Gerade bei den Zulassungen sollte Österreich nicht für Deutschland verantwortlich sein. Hinsichtlich der Tatsache, dass bald die „Verfassung“ von Lissabon in Kraft treten wird, müssten gemeinsame Lösungen im Rahmen des Möglichen sein.

Die Nachfrage an ÄrztInnen und ihre derzeitigen Arbeitsbedingungen legen den Schluss nahe, die Kapazitäten der Ausbildung zu erhöhen, um sich das anfallende Pensum von Arbeit zu teilen. Utopische Forderungen der Studenten? Sie werden sich fragen, wer die Gehälter finanzieren soll. Es scheint in unserer Gesellschaft nirgendwo Geld vorhanden zu sein, dennoch entstehen gleichzeitig riesige leistungslos wachsende Geldvermögen. An der spanischen Küste gibt es Städte von leer stehenden Villen mit großzügig bewässerten Grünflächen, während den Bauern das Wasser ausgeht. Wem dient diese Rendite bringende Anlage? Und wem fehlt dafür das Geld? Gerade in chronisch unterfinanzierten Bereichen wie Bildung und Gesundheit wird der Ruf nach privaten Investoren laut, allerdings sollte es hier im öffentlichen Interesse sein, eben diese Bereiche nicht dem Zwang der Rendite zu unterwerfen, um die Unabhängigkeit und die Ausrichtung nach tatsächlichen Werten zu garantieren. Diese Bereiche sind unabhängige Grundpfeiler unserer Gesellschaft!

Bildung sollte die Persönlichkeitsentwicklung fördern und Wissen schaffen, nicht Garant für zügiges Wirtschaftswachstum sein. (Wie lange können wir eigentlich noch wachsen?) Im Hippokratischen Eid gilt der Nutzen des Kranken als oberstes Ziel. Bei knappen Finanzmitteln muss dieser ideelle Wert der Medizin und der Forschung aber zwangsläufig dem Renditewert weichen.

Als mündige, kritische Bürger sollten wir für diese öffentlichen Güter sowie für ihre Werte eintreten. Daher beteilige ich mich an den derzeitigen Protesten, um meinen Teil dazu beizutragen.

Kontra
Von Julia Straub, Studienvertreterin und ehemalige Vorsitzende der ÖH der MUW

Die Hochschülerschaft der Medizinischen Universität Wien unterstützt die aktuellen Studentenproteste nur teilweise, und zwar sowohl was die Form als auch den Inhalt betrifft. Natürlich ist es sinnvoll, die zweifellos existenten Missstände aufzuzeigen. Allerdings sind wir der Meinung, dass die Proteste nicht in die Hörsäle gehören, sondern auf die Straße. Wir bekommen viele Mails von unseren Studenten, die sich nicht an den Protesten beteiligen, sondern in ihren Hörsälen einfach ungestört studieren wollen – aus meiner Sicht trifft das für den Großteil unserer Studierenden zu. Zum anderen geht es teilweise in den Protesten um völlig andere Themen als um den universitären Bereich, angefangen bei Sexismus bis zu Rassismus etc. Die Demonstrationen gehören auf die Straße, nicht in unsere Hörsäle. Denn hier wollen viele Studenten einfach lernen.

Zu den inhaltlichen Forderungen ist zu sagen: Die Hochschülerschaft der MedUni Wien spricht sich mit einem klaren Ja für die Beibehaltung von Zugangs­beschränkungen aus, weil wir nicht unbeschränkt Ausbildungsplätze anbieten können. Das ist keine Frage des Geldes, sondern vor allem eine Frage der Zumutbarkeit für die Patienten. Wir wollen, dass die Selektion vor, und nicht während des Studiums abläuft. Wir sind gegen sehr subjektiv geprägte Aufnahmegespräche, sondern für objektive Kriterien. Und wir sind dagegen, dass unsere Lehrbeauftragten All-inclusive-Verträge haben, weil dadurch häufig die Lehre zu kurz kommt – auf Kosten von Forschung oder Tätigkeiten in der Privatordination etc.

Natürlich unterstützen wir die Forderung der Bundes-ÖH nach einer Ausfinanzierung der Unis. Seit der Autonomisierung der Universitäten behandelt uns die Politik wie einen Esel: Sie hält uns ständig eine Karotte vor die Nase, ohne unsere Forderungen nach mehr Geld wirklich zu erfüllen. Wir sind auch gegen Sondierungsgespräche, sondern wollen, dass die Bundes-ÖH mit der Politik in Verhandlungen tritt.

 

Webtipp
Protest-Website der Studierenden: www.unsereuni.at

Von Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer

  • Herr "[...] für objektive Kriterien dominik dominik, 03.11.2009 um 22:09:

    „Liebe Julia,

    ppqqpqppppppqqqqpppqppqpqpppqpppqpqpqpqpppqpqpqqqpqpqpqppppqpqpqpppqpqpqpppqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpqpppqqqqqqpqpqpqppppqpqppppqqqpqpqpppqqqqqpppqpqpqp

    Wie viele "p" siehst du?

    Wirst du eine gute Ärztin?

    Mit freundlichen Grüßen

    Dominik“

  • Herr Stephan Stephan, 04.11.2009 um 09:35:

    „..ja! ..das sind doch wirklich ohne Frage, objektive Kriterien.“

  • Frau Conny Conny, 04.11.2009 um 10:17:

    „Und Julia, hättest du den EMS bestanden?

    Ich studiere erfolgreich im 5 Jahr (jede Prüfung auf anhieb bestanden) und musste feststellen, dass ich dieses Selektionsverfahren nicht überwunden hätte.
    Und ich finde es spicht für sich, dass der Grossteil der AG Medizin aus dem fünften und sechsten Jahr stammen, als es noch keinen EMS gab.“

  • Herr dominik dominik, 06.11.2009 um 15:36:

    „Ganz schön interessant:
    Wenn man auf http://www.oemu.at/index.php?id=11 schaut, oder einfach auf "www.oemu.at" links im Menü auf "medizinerkurse" klickt, weiß man, warum unsere Studentenvertretung nichts gegen den EMS-Aufnahmetest hat. Vielen Dank unseren Sponsoren :)“

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