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Gesundheitspolitik 29. Oktober 2009

Patientenportal mal zwei

Sind seriöse und objektive Gesundheitsinformationen aus dem Internet möglich?

Gleich an zwei Patientenportalen wird derzeit in Österreich gearbeitet. Neben der Suche nach Ärzten sollen unter anderem auch Informationen über verschiedenste Krankheitsbilder geboten werden. Als Vorbild halten vor allem deutsche Portale her (siehe Kasten).

 

Das Gesundheitsministerium hat die Gesundheit Österreich GmbH beauftragt, an einem Patientenportal zu arbeiten. „Gewachsen ist dieses Projekt im Zuge der Vorbereitungen der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Ein zentraler Bereich wird der entsprechend geschützte und dokumentierte Zugriff auf Befunde und Gesundheitsdaten sein, der via Bürgercard auch für Patienten möglich sein soll“, berichtet Mag. Engelbert Prenner vom Gesundheitsministerium. Damit dieses Portal deutlich mehr als eine Maske zur Eingabe der Berechtigungen ist, wurde beschlossen, zusätzliche Gesundheitsinformationen anzubieten, „auch als Reaktion auf aktuelle Berichte des Health-Consumer-Index, der in Österreich den mangelhaften Zugang zu unabhängigen Gesundheitsinformationen kritisiert“.

Portal rund um ELGA

So soll noch bis zum Jahresende als erster Schritt ein Informationsportal entstehen, das um den Aspekt des Zugangsportals erweitert werden soll, wenn die ELGA umgesetzt wird. In das Gesamtprojekt sollen Stakeholder wie Ärztekammer, Hauptverband, Länder usw. aktiv involviert werden.

„Geboten werden auf dem Portal künftig Informationen über unser Gesundheitswesen und seine Struktur, also auch darüber, welche Leistungen über die Kassen abrechenbar sind und welche nicht“, skizziert Prenner die vorgesehene Servicepalette. „Weiters werden zu verschiedensten Gesundheitsthemen objektive Informationen bereitgestellt. Diese sollen nicht nur über Krankheitsbilder, sondern auch über Möglichkeiten der Prävention unterrichten.“ Erklärt wird auch, wer für welche Krankheitsbilder „zuständig“ ist. Dabei soll es allerdings nicht darum gehen, an einen ganz spezifischen Arzt oder Therapeuten zu verweisen, sondern um grundlegende Informationen über das Spektrum der Gesundheitsdienstleister.

Integrierte Gesundheits- versorgung als Motto

„Die gemeinsame Überschrift ist dabei die integrierte Gesundheitsversorgung, die beim Hausarzt beginnt und über Facharzt, Spital und verschiedene Therapeuten bis zu Rehabilitations- und Pflegeangeboten reicht“, erklärt Prenner. Auch aktuelle Diskussionen in der Fachwelt bezüglich der Definition eines Krankheitsbildes oder mögliche Therapierichtungen sollen dargestellt werden. Die Auswahl aller Informationen soll strengsten Qualitätskriterien entsprechen.

Das andere Gesundheitsportal oder nur noch eines?

In den Verhandlungen von Hauptverband der Sozialversicherungen und Ärztekammer wurde in der Arbeitsgruppe Qualität die Umsetzung eines Patientenportals beschlossen, das unter anderem die Suche nach speziell qualifizierten Ärzten sowie nach Spitälern erleichtern soll. Martin Gleitsmann, Vizechef der Trägerkonferenz im Hauptverband, will dieses Projekt bis Jahresende umsetzen. Er würde sich aus den Spitälern auch Informationen über die jeweiligen Fallzahlen von Eingriffen wünschen. Zukünftig könnte das Portal in einem geschlossenen Bereich auch Rückmeldungen ausschließlich zu niedergelassenen Ärzten geben.

Als Erweiterung in einer zweiten Phase kann sich Gleitsmann Angebote zu verschiedensten Gesundheitsthemen vorstellen, „ähnlich wie das Portale wie jenes der AOK in Deutschland schon vorbildlich tun.“

Bedenken aus der Ärzteschaft an „objektiver Information“

Für Prenner wünschenswert wäre, dass aus den zwei Projekten eines wird oder zumindest die Vorgangsweise sehr genau abgestimmt wird. Das könnte momentan etwas schwierig werden, da in der Ärztekammer die Meinungsbildung zum Thema noch wenig fortgeschritten ist. Vom Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte auf Österreichebene, Dr. Günther Wawrowsky, kommt zwar ein Bekenntnis zu einer detaillierten Arztsuche über ein solches Portal, aber: „Informationen über Krankheitsbilder und mögliche Therapieformen sollten weiter im Gespräch mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie ‚objektive‘ Information im Internet aussehen soll, auch weil es ja um konkrete Menschen in ihrer speziellen Lebenssituation geht, die verschiedenste Fragen haben.“ Es bestünde die Gefahr, Patienten zu verwirren oder das Arzt-Patient-Vertrauensverhältnis zu gefährden. Prenner betont, dass es auf keinen Fall darum gehe, die individuelle Betreuung durch den Arzt zu ersetzen. Er sieht das neue Portal vielmehr als Chance und nötiges Gegengewicht zu oft oberflächlich recherchierten und durch diverse Firmeninteressen „gefärbte“ Informationen im Internet.

Fest steht momentan nur, dass weitere Gespräche zwischen allen Beteiligten geplant sind, wobei über den genauen Zeithorizont keine Aussagen zu erhalten sind.

Kasten:
Vorbildliche Patientenportale
• AOK-Gesundheitsnavi (www.aok.de im Bereich Leistungen & Service): sehr umfassende medizinische Datenbank mit ausführlichen Texten zu verschiedensten Krankheitsbildern oder auch Themenfeldern wie Laborwerten, Hintergründen zu ICD-Codes, Therapielexikon usw. Weiters gibt es einen kostenlosen Zugang zu „Medikamente im Test“ der Stiftung Warentest, von Experten betreute Ratgeberforen sowie Entscheidungshilfen zu aktuellen Themen wie Impfen generell und HPV-Impfung im Speziellen, PSA-Test sowie einen Navigator durch Pflegeangebote.

• Seit September 2008 findet sich unter www.patienten-information.de ein gemeinsames Portal von Deutscher Bundesärztekammer und Deutscher Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Möglich ist dort die Suche nach Ärzten und Krankenhäusern – wobei diese auch Kriterien wie verliehene Qualitätszertifikate umfasst. Ein Herzstück sind über 2.000 Links zu verschiedensten kommentierten und bewerteten Gesundheitsthemen. Zudem werden Informationen geboten, wer in finanzieller oder organisatorischer Hinsicht hinter verlinkten Websites steht. Eine 50 Seiten starke „Checkliste Arztpraxis“ listet sehr detailliert auf, woran eine „gute“ Ordination erkennbar ist und was sich ein Patient von einer guten Diagnose und Behandlung erwarten kann.
Weiters gibt es neben aktuellen Meldungen der Standesvertretung für Patienten und Termintipps noch einen kleineren Teil zum Thema Patientenbeteiligung, der Kontaktinformationen sowie Arbeitsgrundlagen für Patientenvertreter enthält.

• Das seit Februar 2006 zugängliche Portal www.gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) bietet einen bunten Themenreigen von „A“ wie „Abnehmen“ bis „Z“ wie „Zähne“, jeweils mit Betonung des Aspektes Prävention. Zu allen Themen gibt es unterschiedlich lange Beiträge, zahlreiche Merkblätter sowie Erfahrungsberichte, die von Mitarbeitern des IQWIG in Kooperation mit Experten erarbeitet wurden. Der Anspruch ist, möglichst „objektive“ Informationen zu bieten. Unterstützt werden soll dies auch durch ausführliche Quellenangaben und ein umfangreiches Glossar zu medizinischen Fachbegriffen. Weiters sind einige Quiz sowie Umfragen zu aktuellen Gesundheitsthemen wie etwa Vermeidung von Hautkrebs zugänglich.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 44 /2009

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