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Dr. Michael Wendler Modell-Lehrpraxis für Allgemeinmedizin
 
Gesundheitspolitik 28. Oktober 2009

Die Veränderung des Kollektivvertrags ist eine blauäuige Aktion.

Aller Voraussicht nach ist die Ausbildung von Jungärzten in den Ordinationen von engagierten Allgemeinmedizinern mit 1. Jänner 2010 Vergangenheit. Der neue Kollektivvertrag wird durch seine Realitätsferne dazu führen, dass es sich kaum noch ein praktischer Arzt wird leisten können, einen Jungarzt zur Ausbildung anzustellen. Die scheinbare Gerechtigkeit ist der Todesstoß für die Sache selber: Für den Ausbildungsaufwand – Zeit, Lehrmittel, Verantwortung, etc. – bekommen wir weiterhin keinerlei Entschädigung, während wir in Zukunft den Ärzten in der Lehrpraxis Spitalsgehälter zahlen sollen. Der zweite Dolchstoß ist, dass ärztliche Tätigkeiten durch Turnusärzte der Kasse nicht in Rechnung gestellt werden dürfen. Die Ärztekammer hat es versäumt, diese gesetzliche Einschränkung im Kassenvertrag aktiv zu beseitigen. Die Lehrpraxis wird also verschwinden – damit wäre auch der Facharzt für Allgemeinmedizin gescheitert.

Ich verstehe einfach nicht, warum jetzt in einer Ho-Ruck-Aktion innerhalb von drei Monaten ein Modell umgesetzt werden soll, ohne im Geringsten zu wissen, wie die Finanzierung aussehen soll. Wichtig wäre eine schrittweise Entwicklung, beispielsweise folgendes Stufenmodell: In den ersten zwei Monaten bekommt der Arzt in der Lehrpraxis 500, in den nächsten zwei 1.000 und dann 1.500 Euro bezahlt. Bleibt er also die ganze Zeit, kommt er im Schnitt auf etwa 1.000 Euro pro Monat. Denkbar wäre ebenso, dass mit dem geplanten Qualitätssiegel Lehrpraxisbewerber die Gewähr haben, in der jeweiligen Ordination adäquat bezahlt zu werden.

Abschließend ein Vergleich: Nur Frankreich hat in Europa eine ähnlich kurze Lehrpraxiszeit. Die Finanzierung erfolgt fast überall durch die öffentliche Hand, das bezahlte Gehalt liegt meist deutlich über dem kärglichen Lohn in Österreich.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Lehrpraxis am Scheideweg - wer zahlt die Gehälter?

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Günther Wawrowsky, Vorsitzender der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte: „Die Lehrpraxis ist auf dem Weg zum Facharzt für Allgemeinmedizin.

Von Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der niederösterreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM): „Bei der Finanzierung der Lehrpraxis wäre eine Drittelfinanzierung gut.

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