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Gesundheitspolitik 20. Oktober 2009

Nanotechnologie in der Medizin

Zwischen konkretem Einsatz und Science fiction.

Nanotechnologie ist einer der großen Hoffnungsträger in der Medizin. Die hoch gesteckten Erwartungen reichen von verbesserten Frühdiagnostik-Verfahren für Alzheimer-Demenz über die Konzeption und Weiterentwicklung innovativer zielgerichteter Medikamente bis zu neuen Behandlungsoptionen bei Morbus Parkinson.

 

Ilona Reischl von der AGES PharmMed, die Teil der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) ist und sich mit der Arzneimittelzulassung und -kontrolle sowie den Medizinprodukteagenden beschäftigt, betont: „Für Medikamente oder Medizinprodukte, die auf Nanotechnologie basieren, gelten die gleichen strengen Auflagen für Erforschung und Zulassung wie für alle anderen auch.“

Nano-Gruppe der EMEA

Die europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMEA hat zudem eine eigene „Nano-Gruppe“ aufgebaut und vor zwei Jahren ein „Reflection Paper“ dazu herausgegeben (zu finden auf www.emea.europa.eu). Sie weist unter anderem darauf hin, „dass in der Medizin schon lange mit Strukturen gearbeitet wird, die heute wohl unter der Überschrift Nanotechnologie stehen würden“. In der Medizin besteht die Hoffnung, dass mit Nano-Containern Wirkstoffe viel direkter an ihren „Einsatzort“ im Körper gebracht werden können. „Teilweise wird schon lange mit ähnlichen Ansätzen, etwa mit Hilfe von Viren, gearbeitet“, erklärt Diplomphysiker Dr. Ulrich Fiedeler, der im Projekt NanoTrust des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (www.nanotrust.ac.at) mitwirkt.

Quantensprünge erwarten sich manche bei den bildgebenden Verfahren in Bereichen wie der Alzheimer-Früherkennung. Große Hoffnungen in die Nanotechnologie existieren weiters auf dem Gebiet der „deep brain stimulation“, die etwa bei der Behandlung von Morbus Parkinson zum Einsatz kommt. Fiedeler: „Es gibt auch Konzepte, die in Richtung ‚Labor auf dem Computerchip‘ gehen – eine Pille wird geschluckt, deren Bestandteile dann quasi Proben von Körperflüssigkeiten vor Ort untersuchen. Was es bereits gibt, ist eine pillenförmige Kamera, die verschluckt wird und vor Ort Bilder vom Darm aufnimmt.“

Intensiv wird an nanotechnologischen Konzepten zur Weiterentwicklung von Krebstherapien gearbeitet. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Medizinprodukte etwa bei biokompatiblen Implantaten – z. B. in Form von künstlichen Hüftgelenken. In diesen Bereich gehören auch Stents, die in Herzkranzgefäßen zum Einsatz kommen. Forschungen gehen auch in die Richtung der Züchtung von künstlichen Organen, wo beispielsweise nanoporöse Materialien als Trägerstruktur Verwendung finden.

Derzeit noch Zukunftsmusik

„Letztlich ist zu sagen: Das meiste ist noch sehr ferne Zukunftsmusik“, so Reischl. Weder bei aktuellen klinischen Forschungen, die etwa fünf Jahre laufen, noch bei den dreijährigen Zulassungsverfahren für neue Medikamente oder Medizinprodukte ist der Einsatz von Nanotechnologie derzeit ein Thema. Fiedeler: „Auch wenn in Publikumsmedien viel von ‚kleinen Robotern‘ die Rede ist, die in Blutbahnen unterwegs sein könnten – vieles gehört zurzeit in den Bereich der Science fiction, und das wird auch noch einige Jahre so bleiben.“ Die beiden Experten teilen die Ansicht, dass die vorhandenen Regelungen für die Forschung und Einführung von Medikamenten und Medizinprodukten derzeit ausreichen. Hingegen halten sie exaktere gesetzliche Vorgaben bei Kosmetikprodukten, functional food und der Textilindustrie für sinnvoll. Auch für den Produktionsbereich von Nanopartikeln seien klarere Auflagen wichtig.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 43 /2009

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