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Dr. Christoph Reisner Präsident der niederösterreichischen Ärztekammer
 
Gesundheitspolitik 20. Oktober 2009

Die Ärzte sind nicht die Kostentreiber im Gesundheitswesen.

Die Salzburger Einigung führt in eine völlig falsche Richtung: Die Verantwortung des Sparens kann nicht auf die Ärzte abgeschoben werden. Unser Auftrag ist, Patienten optimal zu behandeln. Mit dem neuen System kommt die Gefahr, dass Pharmafirmen beginnen, sich einander zu unterbieten. Innerhalb weniger Tage könnten verschiedenste Medikamente die „billigsten“ sein – soll der Arzt dann ständig wechseln?

In den Vordergrund medizinischen Handelns rückt der Preis des Medikaments, nicht, ob es optimal ist. Wenn es nur mehr darum geht, dass ausschließlich die billigsten Präparate verschrieben werden dürfen: Warum landen nicht alle andere Präparate in der roten Box oder müssen vom Markt verschwinden? Das wäre genauso absurd, wie es das aktuelle Modell in Salzburg ist.

Noch dazu ist die angekündigte „nachhaltige“ Kostenreduktion dieser Vereinbarung keineswegs abgesichert – die genannten Zahlen scheinen aus der Luft gegriffen zu sein.

Gefragt sind wirkliche Reformen: Nach wie vor ungelöst ist beispielsweise das Problem der unterschiedlichen Rahmenbedingungen für die Verschreibung von Medikamenten im intra- und extramuralen Bereich. In Spitälern gelten keine Richtlinien zur wirtschaftlichen Anwendung – es werden Medikamente verschrieben, die vom niedergelassenen Arzt laut Ökonomierichtlinie nicht weiterverordnet werden dürfen oder aufwendigen Restriktionen wie der Chefarztbewilligung unterliegen. Gleichzeitig verschenkt die Pharmaindustrie Medikamente in großem Umfang an die Spitäler, um sich diesen Fehler im System zunutze zu machen.

Die Gesundheitspolitik muss entscheiden, ob sie die beste oder die billigste Versorgung für die Versicherten haben will. Aber nicht auf dem Rücken der Patienten oder der verschreibenden Ärzte, die gesetzlich dazu verpflichtet sind, die beste Versorgung zu leisten.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Nur mehr das billigste Mittel?

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der pharmig: Sparen am Rücken der Patienten

Von Dr. Karl Forstner, Präsident der Ärztekammer für Salzburg: „Eine gute Vereinbarung mit dem Vertragspartner

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