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Foto: Privat
Dr. Martin Sprenger, Stellvertretender Leiter des Lehrgangs für Public Health an der Medizinischen Universität Graz
 
Gesundheitspolitik 13. Oktober 2009

Nötig sind auch sozial- und bildungs- politische Maßnahmen.

Möglichst viele Menschen sollen an jenen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, von denen wir wissen, dass sie sinnvoll sind bzw. der Nutzen für die Betroffenen überwiegt. Wenn aber etwa Frauen zwischen 30 und 40 zur Mammografie geschickt werden, richtet das mehr Schaden als Nutzen an. Speziell in der Vorsorgemedizin gilt es, das Richtige auch richtig zu tun. Gerade bei der Mammografie werden internationale Qualitätsstandards in Bezug auf apparative Ausstattung, Fallzahl, Befundung und Aufklärung von vielen Radiologen in Österreich nicht erfüllt. Es stimmt: Gerade Menschen aus sozial prekären Situationen nehmen seltener an Vorsorgemaßnahmen teil. Anreizsysteme – gerade auch finanzielle – könnten die Inanspruchnahme steigern, das Problem der zunehmenden sozialen und gesundheitlichen Ungleichheit in Österreich wird damit aber nicht gelöst. Selbst wenn es hierzulande nur qualitativ hochwertige zielgruppenorientierte Vorsorgeprogramme gäbe, müssten diese mit gesellschaftspolitischen Maßnahmen kombiniert werden, um wirkungsvolle positive Effekte auf die Gesundheit zu erzielen. So wie sich die derzeit hohe Betroffenheit und Bedrohung von Arbeitslosigkeit im Gesundheitssystem widerspiegelt, könnte eine klug umgesetzte Mindestsicherung zu seiner Entlastung führen. Es wird Zeit, anzuerkennen, dass bildungs-, sozial- und andere politische Entscheidungen mit großen Gesundheitseffekten – positiven wie negativen – verbunden sind. n

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Von Dr. Johannes Püspöck, Leiter der niederösterreichischen Agentur für Gesundheitsvorsorge: „Auch nachgehende Motivationsarbeit für Vorsorgemedizin wichtig.

Mag. Christian Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 42 /2009

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