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Dr. Johannes Püspöck Leiter der niederösterreichischen Agentur für Gesundheitsvorsorge
 
Gesundheitspolitik 13. Oktober 2009

Auch nachgehende Motivationsarbeit für Vorsorgemedizin wichtig

Aktuelle Studien zeigen deutlich: Kommen Personen nicht aus der A- oder B-Schicht, wird es sehr schwierig bis unmöglich, mittels reiner Überzeugungsarbeit Menschen zur Vorsorgeuntersuchungen zu motivieren. Finanzielle Anreize wirken hier sehr stark. In Niederösterreich erhoffen wir uns durch das Bonussystem im Gesundheitspass positive Ergebnisse. Eine sehr hohe Bedeutung hat gerade in sozial schwächeren Schichten der settingorientierte Ansatz, das heißt, Projekte und Informationsangebote dort zu platzieren, wo sich Menschen aufhalten, um die entstehenden Effekte der Gruppendynamik zu nutzen. Vorbildhaft sind die seit vielen Jahren bestehenden Aktivitäten der Gesunden Gemeinden, deren Wirksamkeit derzeit von der Donauuniversität Krems evaluiert wird, auch um stichhaltige Argumente für die weitere Überzeugungsarbeit in der Gesundheitspolitik zu erhalten. Dass gerade in Niederösterreich die Vorsorgeuntersuchung so schlecht angenommen wird, hat wohl auch mit dem Honorarsystem zu tun. Generell sind Maßnahmen der kurativen Medizin teils deutlich besser bezahlt – es bringt finanziell mehr, eine Verdachtsdiagnose zu stellen und dann entsprechende Befunde zu erheben. Damit gehen gleichzeitig die erhobenen Daten im allgemeinen System unter. Ich weiß, dass manche Ärzte die aktuelle Regelung bei der Vorsorgeuntersuchung als Überbürokratisierung erleben – aber endlich werden Daten systematisch gesammelt und ausgewertet. Wir können momentan etwa nur über die Zahl der verordneten Medikamente die Zahl der Diabetiker schätzen – ganz zu schweigen von regionalen Unterschieden im Gesundheitsstatus oder in Bezug auf verschiedene Krankheiten. Handlungsbedarf besteht noch bei den Daten der Schuluntersuchungen. Dieses Potenzial wird derzeit noch überhaupt nicht strukturiert genutzt. n

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Anreize für die Vorsorge

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Walter Arnberger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Salburg: Zu wenig Mittel für Vorsorgemedizin

Von Dr. Martin Sprenger, Stellvertretender Leiter des Lehrgangs für Public Health an der Medizinischen Universität Graz: „Nötig sind auch sozial- und bildungspolitische Maßnahmen.

Mag. Christian Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 42 /2009

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