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Foto: Privat
Dr. Walter Arnberger Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Salzburg
 
Gesundheitspolitik 15. Oktober 2009

Standpunkte: Zu wenig Mittel für Vorsorgemedizin

Beim Mutter-Kind-Pass wird derzeit eine Art „sanfter Zwang“ überlegt: Die Bestätigung der letzten Untersuchung müsste zur Schuleinschreibung mitgenommen werden. Momentan gibt es gerade bei Familien in prekären sozialen Situationen Lücken in der Betreuung. Unter anderem besteht die Gefahr, dass Verwahrlosung oder Missbrauch lange übersehen werden. Der Ball liegt in dieser Sache nun beim Unterrichtsministerium. Dass Geldleistungen Anreize für Vorsorgeuntersuchungen darstellen, ist keine Frage. Die Staatskasse wurde und wird ja für die Rettung der Banken, aber auch für ungenügende Finanzspritzen an die Kassen geleert. Ebenso wurde der Familienlastenausgleichsfonds geplündert. Das ist auch der Hemmschuh für die Denkvariante, dass jene, die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig in Anspruch nehmen, weniger Versicherungsbeiträge zahlen müssen. Denn die Kassen sind auf diese Beiträge angewiesen. Jemandem zu sagen: „Die Vorsorgeuntersuchung ist wichtig für Deine Gesundheit“, ist allein zu wenig. Die Einstellung der Österreicher dazu lautet nämlich: „Mir geht’s eh gut!“ Eine mögliche Alternative wäre ein Bonuspunktesystem – dieses könnte Zugang zu verbilligten Angeboten etwa im Wellnessbereich ermöglichen. Ein Problem des Mutter-Kind-Passes ist, dass nie Evaluierungen über seinen sicher vorhandenen Nutzen durchgeführt wurden. Das macht auch aktuelle Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium schwierig: Zwar ist beschlossen, dass eine weitere Ultraschalluntersuchung am Beginn der Schwangerschaft und ein Glukoseintoleranztest dazukommen, aber die interne Untersuchung der Mutter soll gestrichen werden. Geplant ist nur mehr die „Empfehlung zu einer VU“, was wiederum auf den Wiederstand der Sozialversicherung stößt. Noch dazu gibt es für ein Aufstocken der Gesundenuntersuchungen kein Geld. Fazit: Es geht eher um ein Einsparen um jeden Preis als um echte Schritte zur Forcierung der Vorsorgemedizin! n

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Anreize für die Vorsorge

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Dr. Johannes Püspöck, Leiter der niederösterreichischen Agentur für Gesundheitsvorsorge: „Auch nachgehende Motivationsarbeit für Vorsorgemedizin wichtig.

Von Dr. Martin Sprenger, Stellvertretender Leiter des Lehrgangs für Public Health an der Medizinischen Universität Graz: „Nötig sind auch sozial- und bildungspolitische Maßnahmen.

Mag. Christian Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 42 /2009

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