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Foto: Privat
Prof. Dr. Elisabeth Ardelt-Gattinger Psychologin, Psychotherapeutin, Vizepräsidentin der Obesity Academy Austria (www.obesity-academy.org)
 
Gesundheitspolitik 6. Oktober 2009

„Gesundheit mit jedem Gewicht“

Adipositas ist nach WHO-Definition eine Krankheit und keine psychische Störung oder Essstörung – wird aber sehr oft von einer solchen begleitet. Dieses Bewusstsein ist leider selbst bei medizinisch und therapeutisch tätigen Personen zu wenig verankert. Das Handlungsprinzip sollte sich eigentlich am Leitsatz „Health at any size“ orientieren, dass also gesundheitsfördernde und -erhaltende Maßnahmen bei jedem Körpergewicht möglich und sinnvoll sind.

Das Problem der „Seuche Adipositas“ geht sehr tief und erfordert Handlungen auf verschiedenen Ebenen. Sie ist das Ergebnis einer bewegungsarmen Überflussgesellschaft. Notwendige Ansätze wären in der Lebensmittelindustrie ebenso wie bei der konsequenten und institutionalisierten Förderung bewegungsfreundlicher Räume in allen Lebensfeldern zu setzen. Ein kleines Beispiel: Gasthäuser bieten zwar „Kindermenüs“ an, diese widersprechen aber in den meisten Fällen allen Leitlinien einer ausgewogenen oder gesunden Ernährung. Und: Lebensmittel wie Obst sind wesentlich teurer als solche, die in kurzer Zeit ein Sättigungsgefühl erzeugen, aber ernährungsphysiologisch geringen bis keinen Wert haben.

Es fehlen im Gesundheitssystem multidisziplinär ausgerichtete Anlaufstellen für Menschen mit Übergewicht und Adipositas. Wenn Betroffene das Thema ansprechen, erfahren sie eher Diskriminierung oder Spott bzw. werden mit schnellen Empfehlungen für den Lebensstil abgespeist.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen sollte noch stärker angesetzt werden. Zudem braucht es generell eine an Lebensrealitäten orientierte Gesundheitsförderung und individuelle Begleitung: So ist es ein Leichtes, Eltern von übergewichtigen Kindern zu raten: „Schicken Sie Ihr Kind doch auf den Spielplatz“ – ohne zu bedenken, dass diese dort oft dem Spott anderer Kinder ausgesetzt sind.

Lesen Sie auch die Einführung ins Thema zu diesem Standpunkt: Maßnahmen gegen Adipositas

Lesen Sie zu diesem Thema diese Standpunkte:

Von Elisabeth M. Jäger, Koordinatorin der Adipositas-Selbsthilfegruppen in Nord- und Ostösterreich: „Menschen mit Übergewicht werden oft stigmatisiert.

Von Prof. Dr. Rudolf Prager, Präsident der Österreichischen Adipositasgesellschaft: „Präventiver Ansatz muss mehr Bedeutung bekommen.

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