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Foto: Archiv
Prof. Dr. Josef Smolle Rektor der Medizinischen Universität Graz und Vorstandsmitglied der Agentur für wissenschaftliche Integrität
 
Gesundheitspolitik 30. September 2009

Lauterkeit in der Forschung

Neu gegründete österreichische Agentur wird Verdachtsfälle von wissenschaftlichem Fehlverhalten überprüfen.

Auch im wissenschaftlichen Bereich wird der Wind des Wettbewerbs schärfer. So wird Forschung auch zunehmend anfällig für Fehlverhalten. Nun können sich Betroffene bei Verdachtsfällen oder bei Fragestellungen an die Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) wenden.

Erst kürzlich machte die renommierte ETH-Zürich Schlagzeilen: Wegen Unregelmäßigkeiten zog der hoch angesehene Forscher Peter Chen die Konsequenzen und trat zurück. Auch Österreich ist keine Insel der Seligen, die Vorfälle an der MedUni Innsbruck sind noch in Erinnerung. Grund genug, nun endlich auch bei uns eine Agentur für wissenschaftliche Integrität zu gründen. Einer der Vorstandsmitglieder ist der Rektor der MedUni Graz, Prof. Dr. Josef Smolle. Er bestätigt: „Österreich hatte im Bereich der Bekämpfung wissenschaftlichen Fehlverhaltens deutlich wahrnehmbare Strukturdefizite.“

Vor dem Sommer hat nun die auf Vereinsbasis arbeitende Agentur in der Wiener Sensengasse auch formell ihre Arbeit aufgenommen, nachdem die aus sechs Mitgliedern bestehende Kommission, besetzt mit Vertretern aus verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen, der Öffentlichkeit vorgestellt worden und die agentureigene Website online gegangen ist.

Die Agentur bietet nun eine neutrale und sachorientierte Plattform, um bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten dem auf den Grund zu gehen. Smolle: „Man sieht daran, dass Initiativen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung sehr wohl auch durch die Initiative der Betroffenen selbst zustande kommen können. Voraussetzung dafür ist ein ausgeprägtes Problembewusstsein bei allen Beteiligten und ein Grundkonsens, dass die Fähigkeit zur Selbstreinigung ein tragfähiges Fundament der Scientific Community ist.“

Hoffnung auf normative Kraft

Personen und Institutionen sollen die Chance erhalten, die neue unabhängige Ressource zu nutzen, um unvoreingenommene und kompetente Auskunft zu erhalten, wie ein vorgelegter Fall eines allfälligen wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu beurteilen ist. Die normative Kraft der Kommissionsarbeit, so die Hoffnung, soll dabei aus der vorbehaltlosen, sachorientierten Prüfung von Verdachtsfällen resultieren. Mit dabei sind zwölf Universitäten, die Akademie der Wissenschaften sowie der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), das I.S.T.-Austria und der FWF.

 

 http://www.oeawi.at/

Von Christian Vajda, Ärzte Woche 40 /2009

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