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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel. und ist Medizinerin sowie Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 23. September 2009

News aus Brüssel: Ziel – Senkung der Krebsraten um 15 Prozent bis 2020

Am 29. September 2009 lanciert die Europäische Kommission die „Europäische Partnerschaft für Maßnahmen zur Krebsbekämpfung“. Diese Partnerschaft soll den EU-Mitgliedstaaten dabei helfen, integrierte Krebspläne zu implementieren, mit dem Ziel, bis zum Jahr 2020 die Krebsraten um 15 Prozent zu senken.

Ein ehrgeiziges Ziel. Aber sicherlich nötig. Laut einer Mitteilung der Kommission über Maßnahmen zur Krebsbekämpfung* wird pro Jahr bei etwa 3,2 Millionen EU-Bürgern eine maligne Tumorerkrankung diagnostiziert – was neben dem persönlichen Leid auch ein massives volkswirtschaftliches Problem bedeutet: So gingen allein im Jahre 2005 Schätzungen zufolge in der WHO-Region Europa mehr als 17 Millionen Lebensjahre aufgrund von Krebserkrankungen verloren.

Die ehrgeizigen Ziele der von der EU geplanten Maßnahmen der neuen Europäischen Partnerschaft im Einzelnen:

  • Senkung der Krebsbelastung, indem die gesamte Bevölkerung - also 100 Prozent - durch Vorsorgeuntersuchungen auf Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebs bis 2013 erfasst werden; Bereitstellung von 125 Millionen Untersuchungen pro Jahr. Zur Erreichung dieses Ziels sollten die Mitgliedstaaten breit angelegte Informationskampagnen über die Krebsfrüherkennung durchführen.
  • Ausgleich der auf die Gesundheitsversorgung zurückzuführenden Unterschiede der Krebssterblichkeit, indem die Differenz zwischen den am besten und am schlechtesten abschneidenden Mitgliedstaaten verringert wird. Zwar können wohl nicht alle bestehenden Ungleichheiten behoben werden, doch ist die Kommission der Auffassung, dass sie sich bis zum Jahr 2020 durchaus um 70 Prozent verringern lassen.
  • Entwicklung eines EU-weiten Ansatzes in der Krebsforschung zur Koordinierung eines Drittels der Forschung aus allen Finanzierungsquellen bis 2013.
  • Erfassung und Erstellung vergleichbarer Daten über die Inzidenz, Prävalenz, Morbidität, Heilung, Überlebensraten und Sterblichkeit von Krebserkrankungen in der Europäischen Union bis 2013.

Vor allem die Prävention kann zu erheblichen Verbesserungen führen, so die Mitteilung weiter: Schätzungsweise ein Drittel aller Krebserkrankungen könnte verhindert werden, wenn die wichtigsten Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, geringer Verzehr von Obst und Gemüse, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum verändert beziehungsweise vermieden würden. Die Mitteilung weist außerdem auf Prognosen hin, denen zufolge durch die Einführung von Zervixkarzinom-Vorsorgeuntersuchungen, die 100 Prozent der Bevölkerung erfassen, der Verlust von Lebensjahren um schätzungsweise mehr als 94 Prozent gesenkt werden könnte; pro 152 Abstriche ließe sich ein Lebensjahr gewinnen. Soweit die Zahlen der EU-Kommission.

Freilich ist klar, dass die Bekämpfung von Krebs nicht nur Sache der Gesundheitskommission sein kann, denn: „Um das breite Spektrum der mit Krebs zusammenhängenden Gesundheitsfaktoren wirksam in Angriff nehmen zu können, müssen wir außerdem über den Gesundheitsbereich hinaus tätig werden und einen sektorübergreifenden Ansatz verfolgen, der Gesundheitsbelange in Politikbereiche wie Bildung, Umwelt, Steuern, Forschung, Soziales und Außenbeziehungen einbindet“, betont Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou.

* http://ec.europa.eu/health/ph_information/dissemination/diseases/docs/com_2009_291_de.pdf

Dr. Lydia Unger-Hunt , Ärzte Woche 39 /2009

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